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Diagnosen

ADHS / Kinder

ADHS und ADS bei Kindern

Um Missverständnisse (und Enttäuschungen) auszuschliessen: Da wir eine Praxis für Erwachsenentherapie sind und zur Zeit nur in bestimmten Fällen Jugendliche behandeln, bieten wir für ADHS- und ADS-Kinder keine Therapieplätze und keine Diagnostik an. Aber vielleicht möchten Sie einfach etwas lesen über ADHS ….

Kinder, die unter ADHS oder ADS leiden, und ihre Eltern, haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Doch besitzen diese Kinder oft auch ein besonderes Potenzial, ihre Umwelt mit Fröhlichkeit, Witz,  Einfühlungsvermögen und Kreativität für sich einzunehmen. Solche Kinder sind oft ungestüm, bewegen sich viel und erscheinen den Erwachsenen in ihrem Umfeld manchmal ungewöhnlich unstet und sprunghaft. Doch leiden die wenigsten an ADHS. Eine solche Diagnose zu stellen, ist keine leichte Aufgabe und sollte unbedingt durch entsprechend geschulte Fachleute erfolgen. Eltern, aber auch Pädagogen, sind mit der Unterscheidung zwischen einer behandlungsbedürftigen Störung oder aber lediglich individuell unterschiedlich ausgeprägter Temperamente und alterstypischer Verhaltensweisen im Normalfall überfordert.

Symptome

ADHS geht typischer Weise mit einer Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität und Hyperaktivität einher. Von ADS spricht man, wenn keine Hyperaktivität vorliegt und das Kind eher verträumt in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Menschen mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom lassen sich bei der Bearbeitung von Aufgaben besonders leicht ablenken und neigen zu Tagträumereien.

Betroffene sind zerstreut und vergesslich. Mit großer Offenheit und schnell reagieren sie auf alles Neue, doch zeigen sie wenig Durchhaltevermögen und übersehen oft Wichtiges, wenn sie Aufgaben bearbeiten. Kennzeichnend ist, dass es ihnen besonders bei Routinetätigkeiten schwer fällt, sich zu konzentrieren. Solche Kinder sprechen und handeln spontan, ohne über die Folgen ihres Tuns nachzudenken.

Negative Konsequenzen haben kaum Auswirkungen auf ihre Unbedachtheit, weswegen sich in Lebensläufen häufig eine Unfallneigung feststellen läßt. Leichter als andere Kinder lassen sie sich zu Handlungen verleiten, durch die sie sich unter Umständen selbst gefährden. Auch Ungeduld, Stimmungsschwankungen und heftige Gefühlsausbrüche sind typisch für Kinder, die an ADHS leiden.
Hinzu kommt eine motorische Unruhe, häufig wechselnde Tätigkeiten und abrupte Bewegungen, durch die andere gestört oder aufgeschreckt werden.

Neben den Hauptsymptomen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität fallen Kinder mit ADHS bzw. ADS oft auch durch Einschlafstörungen, schulische Schwierigkeiten, störendes Verhalten im Unterricht, Probleme mit der Feinmotorik (schlechtes Schriftbild) und eine geringe Frustrationstoleranz auf. Bestehende Defizite verschlimmern sich, wenn als frustrierend erlebte Situationen bewusst vermieden werden.

Ursachen

Man geht heutzutage davon aus, dass es eine genetische Disposition für ADHS gibt. Die tatsächliche Ausprägung der Symptome, das Ausmaß und der Verlauf der Krankheit werden jedoch wesentlich von Faktoren aus der Umwelt des Kindes mitbestimmt. Die sogenannte striatofrontale Dysfunktion, eine Störung der neuronalen Verarbeitung von Signalen im Gehirn, lässt sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen nachweisen. Diese Funktionsstörung ist angeboren, jedoch nicht notwendig genetisch bedingt, da sie auch im Verlauf der Schwangerschaft erworben werden kann. Ungünstige Bedingungen während Schwangerschaft und Geburt erhöhen das Risiko für das Kind, an ADHS zu erkranken. Wie stark Symptome und Verhaltensaufälligkeiten ausgebildet werden, hängt jedoch ganz wesentlich von der psychosozialen Umgebung des Kindes ab.

Heutzutage werden weitaus mehr Kinder mit ADHS diagnostiziert, als dies vor 20 Jahren der Fall war. Etwa vier bis acht Prozent der Schulkinder in Deutschland leiden darunter. Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Dies mag auch daran liegen, dass die Störung bei Mädchen häufiger ohne Hyperaktivität auftritt, das Verhalten dadurch insgesamt weniger auffällig ist und die Störung deshalb nicht erkannt wird. Obwohl die Zahl derer, die die Disposition mitbringen als konstant angesehen werden kann, schafft der Anstieg an Informations-, Kommunikations-  und Unterhaltungsmöglichkeiten eine Umwelt, in der es den Betroffenen heute schwerer fällt, feste Strukturen für ihren Alltag zu entwickeln. Die Zahl der Behandlungsbedürftigen stieg dadurch in den letzten Jahren an.

Therapie

Da als gesichert gelten kann, dass verschiedene psychosoziale Faktoren bei der Entwicklung von ADHS eine wesentliche Rolle spielen, sollte sich auch die Therapie aus mehreren Modulen zusammen setzen. Ziele der Therapie sind eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung, die Stärkung des Selbstwertgefühls, eine Verminderung der Impulsivität im Handeln und das Training der Aufmerksamkeit. Auch Eltern, Geschwister und Lehrer müssen in die Therapie einbezogen werden. Begleitende Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten werden zusätzlich behandelt. Das Kind wird psychomotorisch gefördert und es wird an einer Veränderung seiner Verhaltensmustern gearbeitet.

Viele Kinder erhalten auch Medikamente. Während diese sicherlich für einen Teil der Kinder (und ihre Eltern) als Segen angesehen werden können, ist das Ausmaß der Verordnungen inzwischen recht umstritten. Kritiker gehen davon aus, dass viele Kinder auf diese Medikamente verzichten könnten, und weisen angesichts der enormen Umsätze der Pharmaindustrie auf wirtschaftliche Interessen hin.