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Leserforum

Angehörige

Oft sind es nicht nur die Betroffenen, die mit ihren seelischen Turbulenzen zu kämpfen haben, sondern auch Angehörige, die zusammen mit ihrem geliebten Menschen leiden oder auch um ihn bangen, und die selbst in der Regel sowohl von der Umwelt als auch von den Behandlern nicht ausreichend gesehen und mitbedacht werden. Daher haben viele Familienmitglieder, Freunde und Bekannte das Gefühl, alleine dazustehen, ratlos zu sein. Lediglich im Bereich der Alkoholselbsthilfe gibt es ein flächendeckendes Angebot für Angehörige wie u. a. die Al-Anon-Gruppen. Insofern soll dieser Blog-Bereich den indirekt Betroffenen eine Möglichkeit geben, sich zu äußern und über eigene Erlebnisse, Geschichten und Erfahrungen zu schreiben.

Aufgrund gesetzlicher Auflagen sind wir gehalten keine Berichte über ambulante Psychotherapien wiederzugeben und haben ggf. die zugesandten Texte gekürzt.


Meine Tochter ist magersüchtig

Meine Tochter ist magersüchtig. Lange Zeit habe ich es nicht wahrhaben wollen. Habe ihr immer wieder geglaubt, wenn sie mir sagte, sie sei nicht hungrig, habe schon bei Freunden gegessen. Mich selbst damit beruhigt, dass die Mädchen heute nun einmal alle so dünn sein wollen wie ihre Vorbilder aus den Modezeitschriften und dem Fernsehen. Und mir selbst eingeredet, das gebe sich mit der Zeit schon alles von ganz allein. Dann brach sie eines Tages vor meinen Augen zusammen. Sie kam gerade vom Joggen. Ihr Kreislauf hatte versagt. Wir machten uns sofort auf den Weg zum Krankenhaus, wo man sie ziemlich schnell wieder stabilisierte.

Doch nach der Erleichterung der Schock: „Ihre Tochter muss so schnell wie möglich in eine Klinik für Essstörungen!“ Die Worte des behandelnden Arztes trafen mich wie Messerstiche. „Seit wann ist Ihre Tochter magersüchtig? Ist sie in Behandlung? Wissen Sie eigentlich, wie wenig sie zurzeit noch wiegt? 39 Kilo …“ Nun war ich es, die zusammenbrach. Wie konnte das passieren? Wie konnte ich so lange die Augen verschließen? Die kommenden Tage und Wochen waren die reinste Hölle für mich. Für meine Tochter, die nun stationär gegen Anorexie behandelt wurde, musste ich stark und optimistisch sein. Dabei zerfraßen mich die Selbstvorwürfe so sehr, dass ich nur noch mit Beruhigungsmitteln den Tag überstehen konnte und mich ständig mit meinem Mann darüber stritt, wer nun schuld war und wer wann einmal etwas zu meiner Tochter wegen ihres Schlankheitswahns gesagt hätte. Inzwischen geht es ihr zum Glück besser.
Sie wiegt zwar nur drei Kilo mehr, was mir sehr wenig vorkommt nach fast vier Wochen, aber die Ärzte und Betreuer reden von einem guten Fortschritt. Trotzdem wird sie noch einige Zeit in der Klinik bleiben müssen. Zeit, für meinen Mann und mich, mit uns wieder ins Reine zu kommen. …

E-Mail vom 05.06.2010 von M. (weiblich)


Was, sie ritzt sich?

Hallo, ich will Euch von meiner Freundin erzählen, um die ich mir schon seit einiger Zeit Sorgen mache. Ein bisschen komisch war sie schon immer, manchmal total aufgedreht, dann wieder verschlossen und unnahbar. Ich weiß, dass sie zu Hause Probleme hat. Ihre Mutter hat wieder geheiratet und seitdem ist sie abgeschrieben. Auch mit dem neuen Mann ihrer Mutter läuft irgendwas furchtbar schief. Mit mir darüber sprechen will meine Freundin aber nicht. Neulich entdeckte ich zufällig etwas an ihren Unterarmen. Es sah aus wie Kratzer, nur viel schlimmer – tiefer und mehrere Striemen dicht nebeneinander. Als ich sie darauf ansprach, zog sie schnell ihren Pulli drüber und meinte, sie sei mit dem Fahrrad hingefallen, keine große Sache.

Als ich meiner Mutter später davon erzählte, wusste sie sofort, was los ist. „Was, sie ritzt sich?!“, meinte sie entsetzt und erzählte mir von einem Mädchen, das sie mal im Krankenhaus (meine Mutter ist Krankenschwester) getroffen hatte und das sich selbst mit Rasierklingen die Arme aufschnitt. Ich war total erschrocken, aber meine Mutter verlor keine Zeit, fuhr sofort zu meiner Freundin nach Hause und sprach mit ihrer Mutter. Die hatte noch nichts bemerkt und war völlig hilflos. Also kümmerte sich meine Mutter darum. Sie redete fast zwei Stunden mit meiner Freundin, dann rief sie bei einem psychologischen Notdienst an und bat um Hilfe ….  Ich hoffe, sie hört auf mit diesem Mist, denn es macht mir richtig Angst.

E-Mail vom 21.10.2010 von M. (männlich)


Mein Mann ist Alkoholiker

„Ich möchte hier mal anderen betroffenen Frauen Mut machen – Mut, an sich selbst zu denken. Mein Mann ist Alkoholiker. Gerade macht er wieder einen Entzug, aber das ist nicht das erste Mal. Über zehn Jahre habe ich das mitgemacht: seine Abstürze, seine Launen und Wutanfälle, wenn er nüchtern war, dann wieder seine Versprechen, nie wieder einen Tropfen zu trinken – um kurz darauf wieder zur Flasche zu greifen. Und ich habe jedes mal mitgelitten, mitgekämpft, ihn unterstützt, wenn er wieder mal aufhören wollte, mich gekümmert, ihn getröstet, wenn es ihm schlecht ging – und darüber lange Zeit meine eigenen Bedürfnisse völlig vernachlässigt.“
„Ich war nur noch für ihn da, vernachlässigte meine Freundschaften und Hobbys, und merkte irgendwann, dass ich mich von meinem Mann mit in den Abgrund reißen ließ. Ich beschloss, mir erst einmal selbst zu helfen
…. Inzwischen ist fast ein halbes Jahr vergangen. Es hat sich viel getan. Ich habe mich von meinem Mann getrennt, nachdem er mich einmal mehr im Suff auf das Übelste beschimpft hatte. Ich arbeite jetzt wieder ganztags in meinem Beruf und unternehme in meiner Freizeit viel mit Kollegen und Freunden. Mein Mann tut mir leid, aber ich weiß nun, dass ich ihm nicht helfen kann, er muss es selber schaffen.“

E-Mail vom 14.07.2010 von I. (weiblich) (Der Brief wurde etwas gekürzt.)


Depressionen im Freundeskreis

Mein Freund leidet seit Jahren unter schweren Depressionen. Doch was kann man tun? Wie kann man als Außenstehender helfen? Mir war es immer wichtig, ihn zu nichts zu drängen, sondern ihm die Zeit zu geben, die er brauchte. Wir haben lange Gespräche geführt, ich habe zugehört und Verständnis gezeigt. Wenn es ihm schlecht ging, war ich jederzeit für ihn da, machte ihm Mut und schenkte ihm Trost. Mein Freund konnte sich mir immer besser öffnen und merkte, dass es gut tut nicht mehr über Tabuthemen zu schweigen. Es half ihm sehr, nicht mehr allein zu sein und sich nicht mehr in seinem Schmerz zu vergraben.

Auszug aus einer E-Mail vom 05.01.2011 von S.


Al-Anon-Gruppe

Für mich als Angehörige eines alkoholabhängigen Mannes ist es immer wieder hart mit Hoffnung und Rückschlägen umzugehen. Mir hat vor allem die Al-Anon-Gruppe, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige, sehr geholfen.

E-Mail von B. (weiblich, 13.07.2011)