Tel 04321 404186
Seite auswählen

Praxis

Risikoaufklärung Psychotherapie

Warum eine Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen einer Psychotherapie? Da eine Psychotherapie ein Behandlung mit zahlreichen Wirkungen und einhergehenden Veränderungen in Seele, Geist und Körper ist, kann sie auch eine Reihe unerwünschter oder unerwarteter Auswirkungen haben. Darüber möchte ich Sie hier aufklären.

Zunächst einmal vorweg, im folgenden Text werden allerlei mögliche Auswirkungen einer Psychotherapie aufgeführt. Ein wichtiges gravierendes Risiko besteht allerdings auch im Verzicht auf eine Psychotherapie. Ihr Leiden könnte größer werden, Ihre Symptomatik könnte chronifizieren und damit einer Behandlung schwerer  – bzw. bei wenigen Krankheitsbildern auch gar nicht mehr – zugänglich sein. Dies könnte ebenso weitreichende Folgen für Ihr Leben haben wie die einer Psychotherapie.

Womit ist denn zu rechnen, wenn man sich in Behandlung begibt? 

Jemand, der seinen inneren Konflikt bearbeitet, kann z. B. Rückenschmerzen bekommen oder er kann nachts nicht schlafen. Solche Reaktionen gehören zur Therapie selbst und haben ihren Sinn. Es kann sinnvoll sein, die tiefere Bedeutung der Beschwerden zu verstehen. Eine erfolgreiche Therapie bedeutet mitunter, eine Phase schmerzhafter Belastungen zu durchstehen. Ein Anstieg der ohnehin quälenden Symptome kann vorübergehend auftreten und bietet keine Hinweise auf das Gelingen der Veränderungen. Wichtig ist es hier vielmehr, ihrer Therapeutin das Ausmass des Leidens zu offenbaren. Die psychische Symptomatik und die körperlichen Begleiterscheinungen werden sich voraussichtlich mittelfristig verbessern, deshalb wird eine Psychotherapie schließlich auch gemacht. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass sich die Symptomatik insgesamt nicht bessert oder dass gar mehr Symptome auftauchen bis hin zur Suizidalität. Gelegentlich stellen sich auch Verbesserungen in Bereichen ein, die gar nicht im Zentrum der Therapie lagen, während die eigentlichen Ziele nicht zufriedenstellend erreicht werden.

In der Psychotherapie werden lebensgeschichtliche Erfahrungen wie auch aktuelle Situationen aufgearbeitet. Je nach Verlauf der Therapie können alte Emotionen und Erinnerungen erneut stärker belebt werden oder alte Konflikte verlangen nach Klärung. Daher kann es passieren, dass Sie zeitweise in Streit mit Ihren Verwandten oder anderen Vertrauenspersonen geraten. Sie könnten z. B. im Verlaufe eines solchen Streites enterbt werden. Führen Ihre Versuche, ihre Position in der Ehe zuverbessern, zu immer mehr Streit, ist auch eine Trennung oder Scheidung nicht ausgeschlossen. Oder aber Ihre Partnerschaft intensiviert sich und Sie werden schwanger. Ihr neues selbstbewusstes Auftreten könnte von Ihrem Chef als Aufbegehren ausgelegt werden und zu Problemen am Arbeitsplatz führen. Auf der anderen Seite könnten Ihre Verhaltensänderungen auch zu einer Beförderung führen.

Verantwortung

Wenn Sie Ihre Beziehungen und Ihr Beziehungsverhalten ändern, dann hat es Konsequenzen in der einen oder anderen Richtung. Deshalb ist es in der Therapie wie auch sonst im Leben wichtig, die Verantwortung für sich und die eigenen Taten zu übernehmen. Schließlich ist es der Patient / Klient, der mit den positiven und negativen Folgen leben muss. Die Therapeutin sitzt möglicherweise gemütlich zu Hause, während Sie die Folgen Ihrer neuen Experimente zu tragen haben. Wegen dieser Erwägungen gab es zu Freuds Zeiten den Rat, während der Psychotherapie keine weitreichenden Entscheidungen zu treffen bzw. diese wenigstens vorab mit dem Therapeuten zu besprechen, um sicher zu sein, den tieferen Sinn und das Ausmaß der Konsequenzen erfasst zu haben.

Aufklärung über rechtliche Fallstricke

Über diese Folgen hinaus gibt es mehrere rechtliche Fallstricke zu bedenken. Traditionell haben Versicherungsunternehmen Risikoberechnungen erstellt, die teilweise Daten in einer wissenschaftlich nicht fundierten Weise miteinander vermengen. Dies führt dazu, dass die Gefahr besteht, ungerechtfertigterweise als Psychotherapiepatient bzw. auch als Patient eines Arztes diskriminiert zu werden. Neue Studien wie z. B. eine aktuelle große Studie der Techniker Krankenkasse haben berechnet, dass nach einer Psychotherapie die Patienten gesünder sind und weniger Krankheitstage zu verzeichnen sind. Viele Versicherungen gehen aber von alten Daten aus und bieten beispielsweise Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) oder Lebensversicherungen nicht oder nur mit Abstrichen an, wenn jemand eine Psychotherapie gemacht hat. Dies gilt selbstverständlich auch für Konsultationen bei Ärzten. Ebenso könnte theoretisch eine Nachfrage des Dienstherren beim behandelnden Psychotherapeuten zu beamtenrechtlichen Konsequenzen führen.

„Beipackzettel“ Psychotherapie aus Österreich:

http://www.donau- uni.ac.at/imperia/md/content/department/psym ed/forschungsartikel/patientinneninformation_ 26.09.12.pdf