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Essstörungen

Wenn Essen zum Alptraum wird: Anorexie, Adipositas, Bulimie und Binge Eating

Essstörungen sind keine Modeerscheinung und keine Bagatelle. Sie müssen ernstgenommen und behandelt werden. Denn, und das ist die Wahrheit: Kein Schönheitsideal sieht so gut aus, als dass es sich lohnt, dafür zu (ver)hungern.

Gegen Hunger gibt es ein uraltes Hausmittel: essen. Doch was, wenn wir genau das nicht mehr können? Einfach essen, ohne Kalorien zu zählen, ohne Schuldgefühle zu entwickeln und ohne uns danach schlecht zu fühlen? Wie könnten wir auch? Schließlich machen es uns Promis wie Victoria Beckham und Herzogin Catherine alias Kate Middleton doch vor: Schlanksein ist schön und Fett ist ein No-go.

Das Alarmierende ist: Waren es früher noch die vergleichsweise gesunden Idealmaße 90-60-90, die angestrebt wurden, muss es heute Konfektionsgröße Size-Zero sein – eine Kindergröße! Auf den internationalen Laufstegen sehen wir so genannte Lollipop-Girls, mit großen Köpfen und Körpern wie Lutscherstiele. Fernsehformate wie Germany’s Next Top Model führen uns vor, wie „toll“ Kleider an mageren Körpern aussehen. Und Kate Moss, eines der ersten Models, das bereits in den 90er-Jahren den makaberen Heroin Chic prägte, erklärt uns allen Ernstes: „Nothing tastes as good as skinny feels“ –Nichts schmeckt so gut wie sich Dünnsein anfühlt.

Der Druck wächst

Beneidenswert, wer stark genug ist, sich diesem immer extremere Ausmaße annehmenden Schlankheitswahn zu entziehen. Vor allem junge Mädchen schaffen das nicht immer. Schon in der Pubertät wächst der Druck, der Wunsch nach der Idealfigur. Jedes zweite Mädchen ist mit seiner Figur unzufrieden. Statt sich gesund zu ernähren, probieren sie das erste Mal Diäten aus, drücken sich vor Mahlzeiten mit der Familie – und legen so oft den Grundstein für eine Essstörung. Doch nicht nur Mädchen sind betroffen. Auch (junge) Männer und erwachsene Frauen entwickeln immer häufiger Essstörungen. Diese reichen von der Magersucht (Anorexie) über die Ess-Brech-Sucht (Bulimie) bis zur Fettsucht

(Adipositas), wobei die verschiedenen Formen der Essstörung auch ineinander übergreifen und sich abwechseln können. Allen Varianten gemein ist eine grundlegend gestörte Selbstwahrnehmung. So halten sich Magersüchtige trotz massiven Untergewichts immer noch für „zu fett“.

Etwa 100.000 Deutsche leiden aktuellen Statistiken zufolge unter Magersucht – davon sind 90.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Noch häufiger ist die Ess-Brech-Sucht, bei der von rund 600.000 Personen ausgegangen werden muss. Ein noch junges und mit einem 2%-Anteil an der Bevölkerung erschreckend verbreitetes Phänomen ist das „Binge Eating“, welches unkontrollierte Essanfälle beschreibt.

Die heimliche Sucht

Ob Magersüchtige, Bulimiker oder Binge Eater – Betroffene verbergen ihre Essstörung meist so lange sie können. Alleine und heimlich wird gehungert, heruntergeschlungen und erbrochen. Das soziale Umfeld bekommt davon oft erst sehr spät mit – und ist dann auch noch hilflos, weil es nicht weiß, wie es reagieren soll. Dabei ist Hilfe dringend erforderlich. Denn Essstörungen sind nicht nur sehr schädlich für die Gesundheit – sie können lebensgefährlich sein. So verläuft Magersucht in zehn bis 15 Prozent der Fälle tödlich. Eine, die sie nicht überlebt hat, ist Isabelle Caro, ein französisches Model, das sich schon 2007 für eine Kampagne zur Warnung vor Anorexie mit einem Gewicht von 31 Kilogramm bei einer Größe von 1,64 Metern ablichten ließ. Isabelle starb 2010 im Alter von 28 Jahren an einer Lungenentzündung, der ihr ausgemergelter Körper nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

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