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Therapieangebote

Gestalttherapie

Aus einer kritischen Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse entstand in den 1950er Jahren die Gestalttherapie. Weitere wichtige Einflüsse waren die Gestaltpsychologie und die philosophische Phänomenologie. Gestalttherapie ist ein hermeneutisch-phänomenologisch ausgerichtetes Therapieverfahren. Als Begründer der Gestalttherapie gelten das Ehepaar Laura und Fritz Perls sowie Paul Goodman. Seit ihren Anfängen haben sich verschiedene Varianten und Stile herausgebildet.

Die Begründer der Gestalttherapie haben kein in sich geschlossenes Theoriengebäude entwickelt. Bis in die Gegenwart speisen sich ihre Strömungen aus unterschiedlichen philosophischen und psychologischen Quellen. Wie in der Psychoanalyse geht man auch in der Gestalttherapie davon aus, dass unbewusste mentale Prozesse den therapeutischen Prozess begleiten. Dennoch vollzieht die Gestalttherapie einen deutlichen Bruch mit der Psychoanalyse.

Die wichtigsten Konzepte

Die wichtigsten Konzepte und Begriffe der Gestalttherapie sind Gestalt, Konzentration und Existentialismus. Wie auch die Gestaltpsychologie verneint die Gestalttherapie die Annahme von isolierbaren Elementen: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ (Aristoteles). Ein Ganzes, d.h. eine komplexe Sinngebung, eine Struktur oder Gestalt, die sich vor einem Hintergrund herausbildet und sich in ihrer Ganzheit nicht auf die Kombination einzelner Elemente reduzieren lässt, bestimmt nicht nur die Wahrnehmung sondern auch das soziale Leben.

In der Gestalttherapie werden daher auch eine Reihe gestalterischer Techniken eingesetzt wie malerische und bildhauerische Übungen oder szenische Ansätze, in der die bedrückende Ausgangssituation durch diese Umsetzungen eine Verdeutlichung und auch eine Transformation erfährt und damit ihre emotionale Bedrückung verliert.

Figur – Hintergrund

Wie die Gestaltbildung durch die Wahrnehmung einer Figur, die sich von einem Hintergrund abhebt, vollzieht, so gibt es in Übertragung des Gestaltbegriffes auf die Psychotherapie ein jeweiliges Bedürfnis, das in den Vordergrund rückt. Solange der Gestaltbildungsprozess nicht abgeschlossen sei, d.h. solange das Bedürfnis am Entstehen sei, rücke die Figur in den Vordergrund. Die abgeschlossene Gestalt könne wieder in den Hintergrund treten und einer neuen Gestalt Platz machen. Dies ist nach Ansicht der Gestalttherapie die Fähigkeit des Organismus zur Selbstregulierung. Dementsprechend ist die „unabgeschlossene Gestalt“ ein wesentlicher Begriff. Hierunter ist zu verstehen, dass der Anpassungsprozess des Organismus oder der Psyche an die Umwelt als Kontaktprozess gestört wurde bzw. ist und daher nicht vollständig abgeschlossen werden konnte. Resultat dieser Kontaktstörung ist, dass sich eine vollständige Gestalt nicht herausbilden konnte.

Kontaktstörung

Das Erkennen und Beheben einer solchen Kontaktstörung des Organismus bzw. dessen Psyche mit der Umwelt setzt voraus, dass der Klient ein Bewusstsein bzw. ein Gewahrwerden seiner Gefühle, Verhaltensweisen und Empfindungen entwickelt. Im Zentrum steht dabei die Reaktivierung emotionaler Bedürfnisse und die Wahrnehmung derselben. Dieses Bewusstsein wird in der Therapie durch Rückmeldungen des Therapeuten oder aber durch bestimmte Übungen gefördert. Hierbei kommt eines der wichtigsten Prinzipien der Gestalttherapie ins Spiel: das Hier und Jetzt, in diesem Fall die therapeutische Situation ist der entscheidende Ort, wo Veränderung geschieht. Vergangenheit und Zukunft sind als Erinnerung oder Planung dennoch relevant. Die Arbeit an der Überwindung bestehender Kontaktstörungen aktiviert die Selbstheilungskräfte des Klienten und ermöglicht neue Erfahrungen, Einsichten, Verhaltensmöglichkeiten.

Maßstab für die Gestaltung der Klient-Therapeut-Beziehung ist in der Gestalttherapie die dialogische Haltung der Beziehungsphilosophie Martin Bubers. Je nach den Erfordernissen der Situation wechselt die Haltung zwischen einer versachlichenden, zweckgerichteten und einer, den anderen in seiner Einzigartigkeit bedingungslos anerkennenden Haltung.

Feld

Der ganzheitliche Ansatz der Gestalttherapie umfasst auch den Organismus im „Feld“, d.h. die Beziehung zwischen Individuum und Umwelt. Dazwischen liegt die Kontaktgrenze, die sowohl verbindet als auch trennt. Der einzelne Mensch, der im dauernden Austausch mit seiner Umwelt steht, assimiliert Neues und wächst und erhält sich dabei selbst. Im Prozess des Kontakts fließen Gewahrsein, Bewegung, Handeln, Denken, Fühlen u.a.m. zusammen zur Orientierung im Feld. Das Selbst wird von den Begründern der Gestalttherapie als System ständig neuer Kontakte definiert. Das Ich ist eine Teilfunktion des Selbst, die zwischen „zu mir gehörend“ und „fremd“ unterscheidet.

In meiner Praxis

In meiner Praxis lasse ich generell Erkenntnisse der Gestalttherapie mit einfließen. Die gestalterischen Techniken kommen in der Regel nicht zur Anwendung, da der Schwerpunkt hier im Bereich einer Therapie des Sprechens liegt. Eine Gestaltpsychotherapie in Reinform biete ich nicht an.