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Selbsthilfe

Glück

Was ist Glück?

„Ein Sechser im Lotto!“ – das antwortet so mancher spontan auf die Frage: „Was ist Glück?“ Und wenn wir den Begriff Glück nur auf ein kurzzeitiges Gefühl des Uns-Freuens in einer bestimmten Situation (= „State“) reduzieren, mag es sogar zutreffen. Doch wir wissen auch: Geld allein macht nicht glücklich. Und damit wiederum ist ein tieferes, anhaltendes Glücksgefühl gemeint. Eines, das sich nicht kaufen lässt, das in unserer Persönlichkeit verankert ist (= „Trait“), das uns stark macht, und das auch Stürme, „Unglücke“ überdauert. Mit dieser umfassenderen und grundlegenderen Form von Glücklichsein beschäftigt sich die Psychologie. Denn Glück bzw. das Glücklichsein ist viel mehr als ein Lotto-Sechser. Es ist die Basis für unsere psychische und damit auch physische Gesundheit. Es macht uns zu selbstbewussten, lebensbejahenden, sozialen, empathischen Menschen.

Der Wille zum Glück

Fehlt es uns dagegen an diesem Glücksgefühl, sind wir unzufrieden, „unglücklich“, wenn nicht gar depressiv. Psychotherapeut Stephan Lermer drückt es so aus: „Das kleine Gegenteil von Glück ist Langeweile, das große Gegenteil die Depression.“ Tatsächlich besteht ein Zusammenhang zwischen Glücklichsein bzw. einem Glücksdefizit und Depressionen. Zwar schließen sich positive und negative Gefühle grundsätzlich nicht aus; und es ist durchaus möglich, dass wir uns gleichzeitig glücklich und unglücklich fühlen. Aber darüber, ob wir glücklich sind oder nicht, entscheiden zum einen das Überwiegen positiver oder negativer Lebensereignisse oder auch der Miniereignisse im Alltag, zum anderen unser individueller Wille zum Glücklichsein.

Schon der römische Kaiser Marc Aurel hat erkannt: „Das Glück im Leben hängt von den guten Gedanken ab, die man hat.“ Ein von schweren Schicksalsschlägen gebeutelter Mensch sei hier natürlich ausgeklammert, denn die Macht positiver Gedanken hat ihre Grenzen. Aber ist es nicht bemerkenswert, dass auch Menschen, die auf den ersten Blick alles haben – Liebe, Familie, Freundschaften, Gesundheit, einen erfüllenden Beruf, Geld –, unglücklich sein und Depressionen entwickeln können? Und es auf der anderen Seite Menschen gibt, die trotz großer Rückschläge – Krankheit, Arbeitslosigkeit, Privatproblemen – glücklich sind?

Der Weg zum Glück

Wie sehr positive bzw. negative Gefühle, Glücklichsein und Unglücklichsein von unserer Persönlichkeit, von unserer Einstellung zu den Dingen und unseren teils abstrusen Gedankengängen abhängen, stellt Psychologe Paul Watzlawick in seinem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ sehr anschaulich dar. Wir neigen bisweilen dazu, uns das Leben schwer und Glücksgefühle möglichst unmöglich zu machen. Um ein klassisches Beispiel aufzuzeigen: Eine Frau macht sich ausgehfein. Sie fragt ihren Mann: „Soll ich das blaue oder das rote Kleid anziehen?“ Er antwortet: „Das blaue.“ Sie darauf: „Wieso nicht das rote – du findest wohl, dass ich darin fett aussehe …!“ Und schon hängt der Haussegen schief, obwohl der Mann ganz sicher nichts anderes im Sinn hatte, als die Entscheidung „Blau oder rot?“ zu beschleunigen. Zum Glück können wir etwas für unser Glück tun. In der Psychologie gibt es Ansätze wie die Positive Psychologie nach Seligmann und Therapien wie die Glückstherapie nach Fordyce oder das Glückstraining von Lichter, Hay & Kammann, mit deren Hilfe wir lernen können, unsere Gedanken und Handlungen so zu steuern und zu trainieren, dass wir wieder mehr Glücksgefühle erleben und damit Depressionen in gewisser Weise vorbeugen oder entgegenwirken können.