Tel 04321 404186
Seite auswählen

Therapieangebote

Instanzenmodell

In seiner Schrift „Das Ich und das Es“ von 1923 erarbeitete Freud ein Modell der menschlichen Psyche, das als sogenanntes Instanzenmodell oder auch Drei-Instanzen-Modell (auch als Zweites Topisches System bezeichnet) Eingang in die psychoanalytische Theorie fand. Demnach existieren drei Instanzen, die die Persönlichkeitsstruktur des Menschen prägen: Das Es, das Ich und das Über-Ich.

Es

In dem Teil der Persönlichkeit, die Freud als Es bezeichnet, verortet er die primären Triebe. Freud nimmt an, dass der Sexualtrieb, die Libido, den wichtigsten menschlichen Trieb darstellt. Doch auch andere grundlegende Bedürfnisse, wie der Wunsch nach Nahrungsaufnahme oder Aggressionen sind Triebe, die im Es präsent sind. Das Es ist der impulsgesteuerte und dem Menschen weitgehend unbewusste Teil der Persönlichkeit. Es wird vom Lustprinzip beherrscht und strebt nach der unmittelbaren Befriedigung vorhandener Bedürfnisse. Moralische Erwägungen oder die Frage nach den sozialen Konsequenzen der Bedürfnisbefriedigung finden auf der Ebene des Es nicht statt.

Über-Ich

Demgegenüber steht das sogenannte Über-Ich für das Moralitätsprinzip. Es stellt die Instanz dar, in der gesellschaftliche Regeln und moralische Überlegungen (im weitesten Sinne das Gewissen) repräsentiert sind und funktioniert damit wie eine innerpersönliche Zensurinstanz. Damit verbundengehört auch eine Idealvorstellung der eigenen Persönlichkeit, das sogenannte Ich-Ideal, zu den Inhalten des Über-Ich. Das Über-Ich entwickelt sich im Laufe der Sozialisation, indem das Kind die von den Eltern vermittelten Werte, Vorschriften und Verbote internalisiert. Während das Es die individuellen Bedürfnisse des Menschen vertritt, repräsentiert das Über-Ich die Gesellschaft und ihre Normen innerhalb der Persönlichkeitsstruktur des Einzelnen.

Ich

Zwischen diesen beiden Instanzen, die oft Gegensätzliches anstreben, vermittelt als dritter Teil der Persönlichkeit das Ich. Bewusste Überzeugungen und Auffassungen über die Umwelt sind Teil des Ich. Es orientiert sich am Realitätsprinzip. Soweit es die Lebenswirklichkeit einzuschätzen vermag, versucht das Ich zwischen den Impulsen des Es und den Idealen des Über-Ich einen angemessenen Weg zu finden. Ein Abwägen der Handlungsmöglichkeiten sowie das Nachdenken über die Konsequenzen des eigenen Tuns findet auf der Ebene des Ich statt. Das Ich versucht in diesem Rahmen, die Impulse des Es zu befriedigen, ohne gegen gesellschaftliche Normen und moralische Wertvorstellungen zu verstoßen und strebt Kompromisse an. Gelingt es dem Ich nicht, das Gleichgewicht zwischen den jeweiligen Ansprüchen von Es und Über-Ich zu halten, kann dies zur Entstehung von Angst, unbewussten Abwehrmechanismen oder psychischen Störungen führen.