Tel 04321 404186
Seite auswählen

Leserforum

Erfahrungen im Bereich Psychotherapie in Kliniken

Hier können Sie als Leser oder Leserin dieser Homepage anderen Interessierten von Ihren Erfahrungen im Bereich der Psychotherapie berichten. Aufgrund rechtlicher Vorgaben bin ich in der Wiedergabe Ihrer Erfahrungen jedoch etwas eingeschränkt, so dass Sie psychische Symptome, Probleme oder auch Selbsthilfestrategien beschreiben können, hier jedoch keine Berichte zu ambulanten Psychotherapien bereitstellt werden dürfen. Einige Beiträge habe ich daher gekürzt wiedergegeben.


(M)ein Leben mit Depressionen

Eine Depression ist eine vielschichtige psychische Erkrankung, die durch zahlreiche Symptome gekennzeichnet ist: Langanhaltende Niedergeschlagenheit und Traurigkeit, starke Selbstzweifel und Antriebsarmut sowie unaushaltbarer seelischer Schmerz. Die Konzentration lässt nach, das Schlafen wird problematisch. Jegliche Freude verblasst – etwas zu genießen fällt schwer. Im Kopf finden melancholische Gedankengänge bis hin zum Wunsch, seinem Leben ein Ende zu setzen, statt.

Nahezu seit ich denken kann, wird jegliche Freude, die ich empfinden könnte, von schweren Depressionen unterdrückt. Ich habe so viel Schlechtes erlebt, dass es kaum möglich ist, an etwas anderes zu denken. Immer wieder muss ich an Situationen denken, denen ich in meiner Kindheit ausgesetzt war….

…. Nach meinem Klinikaufenthalt gründete ich eine Selbsthilfegruppe für Depressive, mache zur Zeit eine Ergotherapie und nehme weiterhin Antidepressiva. Dadurch, dass ich jeden Morgen zur selben Zeiten aufstehe und mir täglich einen Tagesplan mit allen Pflichten, die zu erfüllen sind, erstelle, habe ich mehr Antrieb und es geht mir deutlich besser als vor einigen Jahren…

… Ebenso ist mir klar geworden, dass man sich seiner Krankheit nicht zu schämen braucht, da Depressionen inzwischen eine Volkskrankheit sind. Wer sich rechtzeitig Hilfe sucht, wird die Depression mit Sicherheit mildern können und wieder lernen, dass das Leben mehr Schönes zu bieten hat als man in seinem Schmerz sehen kann.

E-Mail vom 10.12.10 von T. (weiblich)


Dissoziationen – was bedeutet das eigentlich?

Eine Dissoziation ist eine Schutzfunktion der Psyche: Labile Menschen dissoziieren, wenn sie Situationen nicht aushalten / ertragen können und Gefahr laufen, seelisch daran zu zerbrechen. Erinnerungen an traumatische Erlebnisse und Erfahrungen aus der Vergangenheit werden teilweise oder komplett ausgeblendet und vom Bewusstsein abgespalten. Ebenso können Dissoziationen sowohl zum Verlust bestimmter Gefühle und Empfindungen als auch zu einer gestörten Selbstwahrnehmung führen. Dissoziiert der Mensch, kommt es vor, dass er seine Umgebung anders / verzerrt wahrnimmt und die Kontrolle über Körperbewegungen verliert.

Auszug aus einer Email vom 20.12.2010 von T. (weiblich)


Schilderung der Erfahrung bei einem Burnout-Syndrom – Ausgebrannte Seele

Heute bin ich seit genau vier Monaten arbeitsunfähig – weil ich einfach „nicht mehr kann“! Was ich in den letzten ein bis zwei Jahren erlebt habe, hat meine Grenzen überschritten und dafür gesorgt, dass ich nun so etwas wie eine „Pause“ oder vielleicht sogar einen Neuanfang brauche.

Man hört so oft, dass nur Menschen, die in Führungspositionen arbeiten, am Burnout-Syndrom erkranken, weil besonders hohe Forderungen an sie gestellt werden. Ich halte das für ein Vorurteil und spreche aus eigener Erfahrung!

Im Grunde genommen habe ich meinen Job immer geliebt und mich an meinem Arbeitsplatz sehr wohl gefühlt. Irgendwann wurde mir aber alles zu viel: Ich habe in einem kleinen Geschäft gearbeitet, das vor einigen Jahren allerdings in größere Räume gezogen ist – neue Abteilungen wurden eröffnet, das Arbeitspensum musste erhöht werden und die Überstunden häuften sich.

Das einzige, was nicht anstieg, war die Anerkennung für meine Fähigkeiten und Bemühungen. Es kam mir vor, als hätte ich praktisch von Tag zu Tag mehr Leistung erbracht, ohne dass sie jemals hätte ausreichen können, um wirklich wertgeschätzt zu werden. Ich wollte mich vor meinem Umfeld beweisen, habe mich so sehr in diese Sache „reingehängt“, einen Großteil meiner Freizeit in diesem Laden verbracht und meine persönlichen Interessen dafür zurückgestellt. Trotz allem gab es auf der Arbeit ständig Stress, Zeitdruck, immer mehr Verantwortung, die ich übernehmen musste – das alles hat mich völlig überfordert.

Dass es in meiner Beziehung zunehmend schlechter lief, ist nicht verwunderlich! Wie soll man auch mit jemandem glücklich sein, der kaum noch Zeit hat – und wenn, dann völlig müde, antriebsarm und gereizt ist? Meine Freundin war unzufrieden und konnte wenig

Bulimie

Verständnis für mich aufbringen, doch genau das hätte ich so sehr gebraucht! Jemanden, der mich auffängt und mir Kraft für den neuen Tag schenkt. Ja, Kraft war es, die mir fehlte! Völlig ausgebrannt sozusagen.

Es war ein Teufelskreis! Durch die Überforderung und die Erwartungshaltung mir selbst gegenüber, allem und jedem gerecht werden zu müssen, wurde ich mit der Zeit unachtsam, unkonzentriert und erledigte meine Aufgaben nicht mehr mit vollem Herzen. Dadurch sind mir natürlich viele Fehler unterlaufen, die für mich persönliche Misserfolge darstellten und Selbstzweifel in mir auslösten. Ich war emotional so erschöpft, dass mir irgendwann alles gleichgültig wurde. Die Anspannung in der Beziehung habe ich einfach hingenommen, Freundschaften oder überhaupt soziale Kontakte habe ich stark vernachlässigt. Ich habe mich völlig abgegrenzt, wollte mit meiner Hoffnungslosigkeit und inneren Leere allein sein und einfach nur zur Ruhe finden.

Sehr viel besser geht es mir trotz der freien Zeit, die ich für mich selbst nutzen kann, noch nicht, da es mir schwer fällt mich wieder in den Alltag einzuleben und Momente zu genießen. Zumindest weiß ich jetzt aber, dass ich mir selbst Grenzen setzen und auf meine persönlichen Bedürfnisse Rücksicht nehmen muss und darf. Aufgeben werde ich nicht!


Meine Borderline-Erkrankung: Ich bin ein „schwieriger“ Mensch

„Hinschauen statt wegsehen“ – diese Aufforderung hört man häufig, wenn besonders schwere Fälle von Gewalt, Verbrechen oder Missbrauch durch die Medien gehen. Mit diesem oder ähnlichen Sprüchen soll man dazu animiert werden, seinen Mitmenschen gegenüber achtsam zu sein und in Notsituationen hilfsbereit zu handeln.

Wenn ich heute auf meine Jugend zurückblicke, stelle ich fest, dass man diesen Spruch ebenso auf sich selbst beziehen kann und sollte. Denn wer sein eigenes Verhalten und Reagieren aufmerksam beobachtet, indem er z.B. auf die Warnsignale seines Körpers hört, wird sich selbst nicht nur besser verstehen, sondern auch helfen können. Bei mir war dies leider nicht der Fall:

Dass mit mir etwas nicht stimmte, war offensichtlich – ich war einfach „anders“ als meine Freunde und Mitschüler. Während meine Klassenkameraden Spaß hatten und ein scheinbar unbeschwertes Leben führten, war ich ständig am Grübeln, hatte Depressionen, tägliche Kopfschmerzen und Panikattacken. Dazu kamen sehr unangenehme Dissoziationen, Suizidgedanken und große Probleme, meine sozialen Kontakte zu pflegen. Zwischenmenschliche Beziehungen fielen mir immer schwer: Habe ich mich auf der einen Seite so sehr nach Nähe, Liebe und engen Freundschaften gesehnt, stieß ich all diejenigen, die mir etwas bedeuteten, gleichermaßen von mir weg. Mein anhängliches, doch zugleich auch kühles, abweisendes Verhalten hat meine Mitmenschen irritiert – nicht zuletzt mich selbst! Meine Freundschaften und Beziehungen waren zwar immer sehr intensiv, doch ebenso absolut instabil. Sehnsucht und Euphorie im Kampf gegen Verlustangst und Entwertung des zuvor noch heiß geliebten Menschen! Ich konnte meinen inneren Zwiespalt nicht verstehen, rutschte von einem Extremen ins andere und hatte eine wahnsinnige Wut im Bauch.

Dies führte zu der Überzeugung, mich bestrafen und selbstverletzen zu müssen. Der Selbsthass war so groß und der Schmerz schien mir gerecht! In anderen Situationen tat ich es, um mich selbst wieder zu spüren. Es kam nicht selten vor, dass meine Körperwahrnehmung verzerrt war, ich mich selbst nicht spürte – ein ganz unreales Gefühl. Durch Selbstverletzungen (z.B. „ritzen“) habe ich mich wieder lebendig gefühlt; all der seelische Schmerz, den ich in mir trug, führte nämlich nicht nur zu Hoffnungslosigkeit, dem Gefühl von Leere und zeitweiligem Interessenverlust. Irgendwann fühlte ich mich regelrecht „tot“.

Auch auf emotionaler Ebene behandelte ich mich schlecht, indem ich mir manchmal tagelang das Essen verbot oder mir Dinge zumutete, von denen ich im Vorfeld wusste, dass sie mir nicht gut tun würden. Inzwischen erkenne ich da ein ganz instabiles Verhalten – immer im Wechsel zwischen Selbstüberschätzung und Minderwertigkeitskomplexen. Mein gesamtes Fühlen und Denken war von Ängsten geprägt, die mein Leben förmlich zu einer Achterbahnfahrt machten und mich sehr impulsiv und unkontrolliert handeln ließen. Inzwischen bin ich achtsamer im Umgang mit meinen Gefühlen, gehe Belastungssituationen ruhiger an und bleibe dadurch mehr im „Hier und Jetzt“ und kann Konflikten mit mehr Objektivität begegnen.