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Diagnosen

MPU

Grünes Licht bei der MPU

Gleich zum Start: Hier in dieser Praxis biete ich keine Vorbereitung zur MPU an, trotzdem hier der Artikel, denn von „keine Chance“ bis „reine Willkür“ – über die Medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz MPU, kursieren viele Gerüchte. Über kaum einen Test wird so viel spekuliert wie über die abfällig als „Idiotentest“ beschimpfte Untersuchung, der wir uns stellen müssen, wenn uns wegen Alkohols am Steuer oder anderer schwerwiegender Verkehrsdelikte die Fahrerlaubnis entzogen wurde. Aber was kommt wirklich auf uns zu, bei der MPU?

Das Wissen um den Sinn, die Erfolgsaussichten und den genauen Ablauf nimmt der MPU einen Großteil ihres Schreckens. Der Sinn ist klar: Wir wollen unseren Führerschein zurück. Die Gutachterwiederum wollen zu einer objektiven Einschätzung darüber gelangen, ob wir geeignet sind, ein Fahrzeug zu steuern. Was die Erfolgsaussichten angeht, spricht der hohe Anteil an Medizinisch-psychologischen Untersuchungen mit positivem Ergebnis für sich: Über 60 Prozent der MPU-Teilnehmer erhalten ihren Führerschein zurück, davon 45 Prozent sofort nach dem Gutachten, weitere 15 Prozent nach erfolgreicher Nachschulung. Und: Wenn wir mit der „richtigen Einstellung“ an den Test herangehen, das heißt, wenn wir gewillt sind, an uns zu arbeiten, erhöhen sich unsere Chancen noch – auf gut und gerne 90 Prozent.

Ablauf

Der Ablauf der viel gefürchteten MPU gliedert sich in vier Teile, die zusammen überschaubare drei bis vier Stunden dauern. Zunächst gilt es, Fragebögen zu unserer Person, in denen es um biographische und medizinische Angaben geht, wahrheitsgemäß auszufüllen. Fragen der Sorte: „Wie oft wurde bereits ein Fahrverbot gegen Sie aufgrund von Trunkenheit im Verkehr verhängt?“ unrichtig zu beantworten, hilft dabei nicht. Im Gegenteil: Die Wahrheit kommt im Laufe der Untersuchung ans Licht – und mit ihr der negative Eindruck, dass wir uns unseres Fehlverhaltens in der Vergangenheit nicht bewusst sind. Besser ist es, wenn wir ehrlich sind und – spätestens im noch folgenden psychologischen Gespräch – zeigen, dass wir unser Verhalten kritisch reflektieren.

Im zweiten Teil der MPU wird mit Hilfe von so genannten psychologischen Leistungstests unser Reaktions- und Konzentrationsvermögen getestet. Die Aufgaben steigen in ihrem Schwierigkeitsgrad; die fürs Bestehen des Tests angesetzten Werte liegen aber – zumindest für den Führerschein der Klasse B – nicht hoch.

Teil drei der MPU ist eine medizinische Untersuchung, bei der ein Arzt uns gezielt in denjenigen Bereichen untersucht, die im Zusammenhang mit dem Grund für unseren Führerscheinentzug stehen. Bei Fahren unter Alkoholeinfluss sind beispielsweise die Leberwerte von Belang.

Der vierte und wichtigste Teil der Untersuchung schließlich besteht aus einem knapp einstündigen psychologischen Gespräch, bei der ein Verkehrspsychologe nach festgelegten Kriterien untersucht, ob wir uns als Fahrer eignen. Entscheidend für ein positives Ergebnis ist hier vor allem, dass wir uns problembewusst, selbstkritisch, aufrichtig und willens zeigen, aus unseren früheren Fahrfehlern zu lernen.

Vorbereitung

Gut vorbereitet gehen wir zur MPU, wenn wir …

  • keine faulen Ausreden für „unsere Ausrutscher“ am Steuer suchen, sondern uns selbstkritisch mit unserem Verhalten auseinandergesetzt haben.
  • uns ernsthaft Gedanken gemacht haben, die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung unsererseits sehen und das Ganze auch glaubhaft zum Ausdruck bringen können. 
  • vielleicht schon einen Schritt in Richtung Verhaltensänderung gemacht haben, beispielsweise eine Therapie gegen unser Suchtproblem gemacht oder auf ein Auto mit weniger PS und Tempomat umgestiegen sind.
  • unsere Einsicht aufrichtig und stimmig vortragen, ohne in auswendig gelernte Floskeln zu verfallen, die tiefe Reue und künftig mustergültige Fahrweise vorgaukeln, aber für den Verkehrspsychologen leicht zu durchschauen sind.
  • mit Hilfe einer speziellen psychologischen Schulung im Vorfeld der MPU intensiv unsere Probleme ergründet haben und Möglichkeiten der Verhaltensmodifikation erarbeitet haben.