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Rückenschmerzen

Rückenschmerzen gelten heute als Volkskrankheit: Sie sind gegenwärtig der zweithäufigste Anlass, warum Menschen in Deutschland einen Arzt aufsuchen. Die Ursachen für Rückenschmerzen können vielfältig sein. Neben Erkrankungen des Skeletts und der Muskulatur tragen Lebensweise, Körperhaltung, das Gewicht, einseitige Belastungen am Arbeitsplatz und andere Faktoren dazu bei. Psychische Belastungen und Stresssituationen können sowohl Ursache als auch Folge von Rückenschmerzen sein.

Der Zusammenhang von Rückenschmerzen und psychischen Belastungen

Der Zusammenhang von Rückenschmerzen und psychischen Belastungen kommt in alltäglichen  Redewendungen wie „ihm sitzt die Angst im Nacken“ zum Ausdruck. Tatsächlich führen Ängste und Situationen der Unsicherheit oft zu Verspannungsschmerzen. Bei Stress verkrampft sich die Rückenmuskulatur, der Muskeltonus erhöht sich. Hält dieser Zustand an, kommt es zu Verspannungen, Verhärtungen der Muskulatur und Schmerzsymptomen. Mitunter stellt der Arzt dann „Blockaden“ fest, kleine Verschiebungen der Wirbelkörper mit der Folge unterschiedlicher Symptome von Kopfschmerz über Schwindel bis hin zu Schmerzen.

Ein weiterer Zusammenhang zwischen Psyche und Rückenschmerzen liegt im subjektiven Schmerzerleben. Das Ausmaß der physischen Beeinträchtigungen und dasjenige des empfundenen Schmerzes stimmen nicht immer überein. Schon leichte Auffälligkeiten an Skelett oder Muskulatur können subjektiv sehr stark empfundene Schmerzen hervorrufen. Bei manchen Patienten, die unter chronischen Schmerzen im Rückenbereich leiden, lassen sich keine körperlichen Ursachen feststellen. Andererseits gibt es Fälle, bei denen, trotz enormer physischer Belastung, kaum Schmerzempfindungen vorhanden sind. Ursache dieser individuellen Unterschiede im Schmerzerleben sind Prozesse der neuronalen und psychischen Verarbeitung des Schmerzes. Auch zurückliegende Erfahrungen, das sogenannte „Schmerzgedächtnis“, spielen eine Rolle.

Es können nicht nur psychische Belastungs- und Anspannungssituationen dazu beitragen,


dass Rückenschmerzen entstehen, sondern umgekehrt kann auch die Schmerzerfahrung zur Beeinträchtigung des psychischen und sozialen Wohlbefindens führen. Wer unter Schmerzen leidet, neigt zu besonders vorsichtigen Verhaltensweisen, zu Vermeidung bestimmter Situationen und allgemein zu erhöhter Ängstlichkeit. Im Extremfall kann dies in einen Teufelskreis von körperlichen und psychischen Beschwerden führen. Chronische Rückenschmerzen gehen sehr häufig gleichzeitig mit einer Depression einher oder ziehen eine solche als Folge nach sich. Daneben finden sich auch Panikstörungen und Angsterkrankungen als Begleiterscheinungen von Rückenschmerzen. Hinzu kommt die Gefahr des Schmerzmittelmissbrauchs.

Rückenschmerzen, die nur kurze Zeit andauern, können mit entzündungshemmenden Mitteln oder Schmerzmitteln effektiv behandelt werden. Dauern die Schmerzen jedoch mehr als 3 bis 6 Monate an, helfen diese Mittel kaum noch. Größte Aussicht auf Heilung hat man hingegen mit einer Therapie, in der medizinische Behandlung und Krankengymnastik durch psychotherapeutische Methoden ergänzt werden. Auch die heutige medizinische Auffassung von Schmerz zieht Körper und Psyche in ihre Betrachtung mit ein.

Psychotherapeutische Ansätze

Die Therapie chronischer Rückenschmerzen beginnt damit, das Zusammenwirken von Körper und Psyche bei der Verursachung von Schmerzen und bei deren Aufrechterhaltung gemeinsam mit dem Patienten zu erarbeiten und damit bewusst zu machen. Ein weiterer wichtiger Schritt in der Therapie ist das Erlernen von Entspannungsübungen wie z. B. des Autogenen Trainings. Diese können dem Entstehen von schmerzbedingten Verspannungen vorbeugen. Schmerz auslösende und Schmerz verstärkende Situationen werden mit Hilfe von Protokollen, Schmerztagebüchern u.ä. identifiziert. Der Schmerz wird damit als Problem fassbarer. Ein wichtiger Bestandteil der Therapie ist häufig die kognitive Umstrukturierung, das Erkennen und Bearbeiten von Gedanken, die mit dem Schmerz in Zusammenhang stehen und einer konstruktiven Verbesserung im Wege stehen. Dies gilt vor allem für Gedanken, die sich um die eigene Hilfslosigkeit drehen. Auch die therapeutische Arbeit an bewussten oder unbewussten Konflikten im Leben des Patienten, die den Schmerz verursachen oder zumindest aufrecht erhalten, ist Teil der Schmerztherapie.


   
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