Tel 04321 404186
Seite auswählen

Selbsthilfe

Stimmungen

Unsere Stimmungen lassen sich oft nicht so steuern, wie wir uns das wünschen. Allzeit „gut drauf“ ist wohl keiner von uns. Das wäre auch zu viel verlangt, oder? Irgendwas ist doch immer. Mal geht hier etwas schief, mal läuft uns dort eine Laus über die Leber. Und prompt reagieren wir mit schlechter Laune, ärgern uns schwarz oder sind deprimiert. Aber stimmt das überhaupt: Sind wir nur aus demeinen – natürlich triftigen – Grund schlechter Stimmung? Oder geht da nicht viel mehr in uns vor, das uns letztlich die Laune verhagelt?

Negatives Denken

Wenn wir uns mit dem Hammer auf den Daumen hauen und dieser dann schmerzt, passiert das nach einem einfachen Ursache-Wirkung-Prinzip. Mit schlechter Stimmung ist es etwas komplizierter. Die ist nämlich nur selten die direkte und logische Folge eines einzelnen Auslösers. Schlechte Stimmung steht vielmehr am Ende einer Reihe von emotionsauslösenden Gedanken, die ein Ereignis in unserem Kopf auslöst. Denn, typisch Mensch, nehmen wir die Dinge, die um uns herum passieren, nicht einfach als gegeben hin. Nein, stattdessen interpretieren wir sie, werten, verknüpfen, kurz: führen einen „inneren Dialog“, wie der amerikanische Psychologe Albert Ellis es bezeichnet hat. Und am Ende sind wir dann oft schlechter Stimmung. Weil unser Nachbar ja nur so kurz angebunden ist, weil er uns das teure neue Auto missgönnt, und sicher schon darauf lauert, uns beim Bürgersteigfegen baldmöglichst einen Kratzer in den Lack zu verpassen! Weil diese dauernden Kopfschmerzen ein klares Indiz auf einen Gehirntumor sind – Irrtum ausgeschlossen! Oder weil der Chef in letzter Zeit nur so verdächtig freundlich ist, um sich nicht anmerken zu lassen, dass er die Abmahnung schon in der Schublade liegen hat.

 

Acht Denkmuster, die schlechte Stimmungen erzeugen können

Wenn wir solche Spekulationen anstellen, schaden wir uns, weil wir erstens unsere Stimmungen in den Keller bringen und zweitens unser weiteres Denken und Handeln in die falsche Richtung leiten, zum Beispiel dem Chef noch befangener gegenübertreten. Daher ist es wichtig, Muster zu erkennen, nach denen sich unser Gedankenkarussel dreht. Folgenden acht Mustern gilt es entgegensteuern:

Filtern

1. Von Filtern sprechen wir, wenn wir nur einen – den negativen Aspekt – eines Erlebnisses sehen. Wenn unser Chef uns für eine Arbeit lobt, uns bei einem anstehenden Projekt aber um eine zügigere Abwicklung bittet – und bei uns bleibt nur eine Kritik an unserem Zeitmanagement, nicht aber das Lob hängen, dann filtern wir und demotivieren uns damit selbst. Tipp: Das Gesamte nicht aus dem Blick verlieren!

Polarisiertes Denken

2. Polarisiertes Denken bedeutet, dass wir alles Schwarz oder Weiß sehen, Menschen und Dinge als gut oder schlecht beurteilen. Dabei ignorieren wir die Tatsache, dass die Kollegin nicht nur unangenehm und der Bekannte nicht nur lustig sein kann. Tipp: Auch an die Graustufen denken!

Verallgemeinerung

3. Zu übertriebener Verallgemeinerung neigen wir, wenn wir ein vereinzeltes Ereignis zum Regelfall erklären. Wenn wir zum Beispiel durch die erste Führerscheinprüfung fallen und daraufhin alles hinwerfen – mit der Begründung „Ich hab’s ja gewusst, ich lerne das nie, ich bin einfach zu blöd zum Autofahren!“ Besser: Negative Gedanken durch optimistischere ersetzen und dabei absolute Aussagen mit „nie“, „jeder“, „immer“, „keiner“, „alle“ usw. vermeiden.

Gedankenlesen

4. Wenn wir zum Gedankenlesen neigen, glauben wir stets zu wissen, was in den Köpfen unserer Mitmenschen vor sich geht. „Der denkt jetzt bestimmt, ich mache das, um anzugeben!“ Solche vermeintlichen Intuitionen verraten meist mehr über uns als über unsere Mitmenschen. Besser ist es daher, wir versuchen erst gar nicht, für andere zu denken, und konzentrieren uns auf Tatsachen.

Katastrophisieren

5. Wir katastrophisieren, wenn wir aus einer glimmenden Zigarette im Aschenbecher einen Großbrand, aus einem Pickel einen Tumor und aus einer kleinen Meinungsverschiedenheit einen Familienstreit machen. Tipp: Statt davon auszugehen, dass bei allem, was uns passiert, immer der schlimmste Fall, sozusagen der Super-GAU, eintreten wird, sollten wir überlegen, wie wahrscheinlich dies ist: Eins zu einer Million? Eins zu Hunderttausend?

Persönlichnehmen

6. Auch das Persönlichnehmen von Geschehnissen in unserem Umfeld ist ein Muster, das uns leicht verstimmen kann. Wenn unser Partner einmal schlechte Laune hat, muss der Grund nicht zwingend bei uns liegen. Hier ist es wichtig, einen möglichen Zusammenhang zu klären, statt sinnlos darüber zu grübeln, was der andere denkt und was wir falsch gemacht haben könnten.

Vergleiche

7. Wenn wir immerzu vergleichen, „Was hat/kann der Andere, was ich nicht habe/nicht so gut kann?“, zieht uns das ebenfalls schnell runter. Tipp: Statt auf unsere eventuellen Defizite und die vermeintliche Großartigkeit anderer zu schauen, fokussieren wir besser auf unsere Stärken und machen uns bewusst, dass auch andere Schwächen haben.

Das Sollen-Muster

8. Das Sollen-Muster beeinflusst uns, wenn unser Handeln nur von starren, uns selbst auferlegten Regeln bestimmt wird und wir bei der Beurteilung anderer dieselben Maßstäbe anlegen. So verurteilen wir den Nachbarn, der jeden Samstag ohne seine Frau zum Fußball geht – weil ein Paar nach unserem Verständnis am Wochenende gemeinsam etwas unternehmen „muss“. Tipp: Immer daran denken, dass Menschen verschieden sind, jeder andere Werte und Bedürfnisse hat. Wir haben ein Recht auf unser Lebenskonzept – andere auch.

Was unsere Stimmungen noch beeinflusst

  • Licht, und zwar natürliches Tageslicht, ist wichtig für unseren gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus sowie für die körpereigene Bildung von Vitamin D und dem Glückshormon Serotonin. Bekommen wir zu wenig davon, kann das auf unsere Stimmungen drücken.
  • Ernährung trägt auch zu unserer Stimmung bei. Essen wir zu viel Fast Food und Süßigkeiten, und dies auch noch zur falschen Zeit, z. B. kurz vorm Schlafengehen, sind wir anfälliger für einen Teufelskreis aus Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Heißhunger
  • Alkohol ist wider Erwarten kein Stimmungsaufheller, er kann vielmehr schon in kleinen Mengen dazu führen, dass wir uns unruhig oder niedergeschlagen fühlen. Und selbst wenn er uns vorübergehend von negativen Gedanken ablenkt – spätestens beim Kater danach dreht sich das Gedankenkarussel noch mal so schnell.
  • Zigaretten und die Abhängigkeit davon schlagen uns aufs Gemüt. Wer sich das Rauchen erfolgreich abgewöhnt, profitiert nicht nur gesundheitlich davon, sondern auch stimmungstechnisch.
  • Schlaf, genug und zur richtigen Zeit, sorgt für einen ausgeglichenen Melatonin-Spiegel, schützt vor Schlafstörungen, Heißhunger und Übergewicht. Schlafen wir zu wenig, unregelmäßig oder zu unnatürlichen Zeiten, wirkt sich das negativ auf unsere Stimmung aus.