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Diagnosen

Sucht

Alkoholismus – Alkoholabhängigkeit – Sucht – Medikamentenabhängigkeit – Cannabisabhängigkeit – Abhängigkeitserkrankungen

Der Alkoholismus bzw. die Alkoholabhängigkeit steht im Zentrum dieses Abschnitts. Dabei ist der Alkoholismus gemeinsam mit der Medikamentenabhängigkeit eine Sucht von legalen Drogen und gehört in den Kernbereich dieser Praxis. Es ist ein kleiner Abschnitt über die Cannabisabhängigkeit eingefügt, da dieses Problem ebenfalls häufiger auftaucht. Die anderen Abhängigkeitserkrankungen im Bereich der illegalen Drogen werden nicht dargestellt, da sich unsere Praxis nicht darauf spezialisiert hat.

Der Beginn des Trinkens – Alkoholmissbrauch

Die Alkoholabhängigkeit beginnt in der Regel schleichend. Das Alkoholtrinken zählt unter der deutschen Bevölkerung als Bestandteil eines geselligen Beisammenseins. Anlässe zum Trinken von alkoholischen Getränken finden sich fast täglich: Mal ist es ein Geburtstag, ein Jubiläum, der Ein- oder Ausstand in der Arbeitsstelle oder auch einfach nur bei einem gemütlichen Gespräch mit Freunden. Die meisten Menschen finden nichts dabei, ein oder zwei Gläser Bier oder Wein zu trinken, und selbst der Sekt zum Frühstück wird als ein den Kreislauf anregendes Mittel betrachtet und nicht etwa als eigentlicher Alkoholkonsum. Angesichts auch der früher üblichen fälschlichen Einschätzung von Ärzten, dass täglich ein Glas Rotwein gut für den Organismus sei oder auch ein Bier als Einschlafmittel fungieren könne, ist es nicht schwer nachzuvollziehen, dass das Thema Alkohol und Alkoholismus von vielen als nicht wirklich brisant angesehen wird.

Zu schleichend sind auch die Übergänge von einem gelegentlichen Konsum bis hin zu einer Abhängigkeit bzw. Sucht, die demzufolge selbst von den Betroffenen anfänglich kaum bemerkt wird. Doch die offiziellen Zahlen über einen Alkoholmissbrauch unter der Bevölkerung sprechen hier eine eigene Sprache: Bei einem durchschnittlich Alkoholverbrauch von 10,5 l im Jahr nimmt Deutschland einen Spitzenplatz ein. Während bis zu 12% der Menschen abstinent leben, unterliegen etwa 10-15% einem problematischen Trinkverhalten. Hierbei zeigen sich die Grenzen zwischen Genuss, Missbrauch und Abhängigkeit sehr fließend.

Der Alkohol an sich zeigt natürlich beim Trinken verschiedene Auswirkungen auf den Menschen. So lassen sich zumeist eine gehobene Stimmung, eine seelische und körperliche Entspannung oder auch eine Beruhigung feststellen, die allerdings auch eine Schattenseite der Medaille aufzeigen. Hierzu zählen beispielsweise die Verringerung der Reaktionsfähigkeit oder auch Schwierigkeiten beim Konzentrieren auf bestimmte Tätigkeiten. Je nach Menge des konsumierten Alkohols kann sich die Stimmung auch rasant ins Negative verändern. So werden viele Menschen depressiv oder aggressiv und zeigen eine erhöhte Bereitschaft zur Gewalt.

Die Entwicklung der Alkoholabhängigkeit

Die Sucht nach Alkohol bedingt zunächst einmal die Regelmäßigkeit oder auch das Trinken in scheinbar ungewöhnlichen Situationen und Momenten. Hierzu zählen beispielsweise der Griff zur Flasche vor beruflichen Herausforderungen, zur Nervenberuhigung an sich, während des Lenkens eines Fahrzeuges oder zu ungewöhnlichen Zeiten. Die Problematik wird deutlicher, wenn der Betroffene bereits feststellen kann, dass sich in zahlreichen Lebensbereichen mehr oder weniger Schwierigkeiten aufgrund des Trinkverhaltens ergeben.

Riskant werden die Trinkgewohnheiten dann, wenn sie aus einem bestimmten negativen Anlass oder einer Situation heraus entstehen. Langeweile, Frust auf der Arbeitsstelle, Beziehungsprobleme, Einsamkeit oder auch eine Unruhe und Stress sind hierbei nur einige der möglichen Verursacher. Therapeuten sagen hier, dass der Alkohol bestimmte Funktionen übernimmt wie z.B. Entspannung oder Angstabbau. Ein beginnender Teufelskreis schließt sich mitunter recht schnell. Da sich der Organismus an bestimmte zugeführte Substanzen gewöhnt, steigen mit der Zeit natürlich auch die Mengen an Alkohol, denn je mehr die Gewöhnung eintritt, desto mehr benötigt man um den beruhigenden Zustand zu erreichen. Das nennt man Toleranzsteigerung.

Durch einen regelmäßigen Konsum stellen sich neben zahlreichen psychischen Problemen vor allem auch körperliche Schädigungen ein. Leberschäden, das Entstehen von Krebserkrankungen, Zell- und Organschäden oder auch Schädigungen an der Muskulatur sind nur einige der negativen Auswirkungen, die in manchen exzessiven Fällen auch im Tod enden. Besonders problematisch zeigt sich ein Alkoholkonsum während einer Schwangerschaft, da es in vielen Fällen zu irreparablen und schweren Schäden bei dem ungeborenen Kind kommen kann (unter anderen zum fetalen Alkoholsyndrom). Aufmerken sollte man auch, wenn sich jemand nicht mehr an die Ereignisse während des Rausches erinnern kann. Man spricht von einem Filmriss bzw. medizinisch von einem Palimpsest.

Medikamentenabhängigkeit

Ähnliche Schwierigkeiten kann man übrigens auch bei einer Medikamentenabhängigkeit erkennen. Hiervon sind circa 2 Millionen Menschen, zumeist Frauen, betroffen und die Abhängigkeitskarriere beginnt oft schon im Kindesalter. Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel, wie etwa Benzodiazepine (z.B. Valium) oder opiathaltige Mittel (z.B. Tramal), zählen hierbei zu den am meisten missbräuchlich verwendeten Präparaten. Beruhigen und Entspannen sind bei der Medikamentenabhängigkeit typischerweise die vordergründigen Wünsche, die zu dem Griff nach der Tablette oder den Tropfen veranlassen. Grundsätzlich unterscheiden sich der Alkoholismus und die Medikamentenabhängigkeit nicht wesentlich von einander: Beide wirken sich auf Dauer sowohl auf die Psyche als auch auf den Körper nur negativ aus.

Die Sucht nach Medikamenten ist allerdings unauffälliger und wird deshalb häufig auch später vom Umfeld bemerkt.

Cannabisabhängigkeit

Die Abhängigkeit von Cannabis bzw. THC ist ein Problem, das im Durchschnitt wesentlich jüngere Klienten betrifft als die Medikamenten- oder Alkoholabhängigkeit. Auffällig werden viele Konsumenten in ihrer Umgebung, weil die Motivation, sich für sich selbst und die eigene Zukunft einzusetzen geschwunden ist. Man nennt dies in seinem Vollbild amotivationales Syndrom. Gemeint ist damit, dass der oder die Betroffene insgesamt an Motivation, das Leben aktiv zu gestalten, einbüßt und wie man so schön sagt, nichts mehr auf die Reihe kriegt. Häufig gelingt auch die berufliche Integration (Schule, Ausbildung, Studium, Arbeitsstelle) nicht oder in anderen Bereichen gelingt eine altersentsprechende Entwicklung nicht mit deutlichen Folgen für das Leben und die eigene Zufriedenheit.

Übrigens: Während man früher dachte, die Cannabisabhängigkeit sei ein rein psychisches Problem, hat man vor einigen Jahren spezielle Rezeptoren im Gehirn nachgewiesen, die belegen, dass neben der psychischen auch eine körperliche Abhängigkeit eintreten kann.

Die Wende – das Erkennen der Abhängigkeit

Das eigene Erkennen ist für viele ein bitterer Prozess, kratzt es doch meist am Selbstverständnis, wenn man erkennen muss, dass man die Kontrolle über Teilbereiche des eigenen Lebens verloren hat. Zeichen einer bestehenden Abhängigkeit fallen in der Regel zunächst den Partnern oder anderen Menschen aus der näheren Umgebung auf. Der Prozess des Bejahens einer Abhängigkeit kann viele Jahre andauern und die Sucht wird oft auch erst dann anerkannt, wenn sich massive körperliche, partnerschaftliche und berufliche Probleme einstellen. Häufig leitet solch ein persönlicher Tiefpunkt in Zusammenhang mit dem Konsum eine Wende ein und führt zu dem, was Psychotherapeuten und Ärzte Krankheitseinsicht nennen,

Psychotherapie bei Abhängigkeit von Alkohol oder Medikamenten

Ist ein Betroffener soweit, dass er seine Abhängigkeit bewusst wahrnimmt, kann der nächste Schritt in eine Therapie folgen. Aufgrund der hohen Gefahr der massiven Rückfälligkeit ist das wichtigste Ziel für den Alkoholabhängigen ein lebenslanger Verzicht auf alkoholische Getränke und auch Speisen, sowie ein äußerst vorsichtiger Umgang mit nötigen Medikamenten. Medikamentenabhängige müssen ebenfalls auf alle Medikamente mit Suchtpotential sowie auf Alkohol verzichten.

Die Suchttherapie selbst beginnt häufig zunächst nach einer Motivationsphase mit einer Entgiftung, die meist stationär durchgeführt wird, um die Risiken zu minimieren. Da der Entzug von Medikamenten im Extremfall bis zu einem halben Jahr dauern kann, sind dort individuelle Lösungen gefragt. In letzter Zeit häufen sich Berichte, dass Kliniken die „Alkoholentgiftung“ mit der Gabe von Medikamenten mit Suchtpotential (meist Benzodiazepine) begleiten und diese auch bis zum Zeitpunkt der Entlassung weiter verabreichen. Dies ist natürlich für die Betroffenen, die den Medikamentenentzug allein zu Hause durchführen müssen und meist dabei rückfällig werden, kein hilfreiches Vorgehen.

Nach der Entgiftung folgt eine mindestens mehrwöchige Entwöhnungsphase, die ambulant z. B. in einer Suchtberatungsstelle oder in einer stationären klinischen Einrichtung stattfinden kann. Begleitende therapeutische Gespräche oder auch der regelmäßige Austausch mit weiteren Betroffenen unterstützen die Abstinenz wesentlich und verhelfen auch nach der eigentlichen Therapie dazu, nicht rückfällig zu werden. Empfohlen wird bereits während der psychotherapeutischen Maßnahmen der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe (z.B. Anonyme Alkoholiker, Blaues Kreuz, Freundeskreis, Guttempler), der auch lange nach der Behandlung fortgesetzt werden sollte.

Die Psychotherapie in meiner Praxis

Eine Psychotherapie kann – eine gewisse Stabilität vorausgesetzt – auch ambulant bei niedergelassenen Psychotherapeuten erfolgen. Dabei wird das Vorgehen abhängig von den Hintergründen der Suchtentwicklung und der Stabilität der Betroffenen variieren. Die Therapie umfasst in der Regel ein Vielzahl stabilisierender Maßnahmen und Techniken, allen voran eine konsequente Aufklärung und Rückfallvorbeugung. Kernstück der Psychotherapie ist ein Verständnis der Emotionen, die im Zusammenhang mit dem Trinken eine Rolle spielen, und eine Abschwächung der negativen Gefühle, die das Trinken begünstigen. Wie das geschieht, wird von der Persönlichkeit des oder der Betroffenen abhängig gemacht und orientiert sich an den Gegebenheiten der Situation. So wird man tendenziell weniger Wert auf das Aufarbeiten der Entstehung der Sucht legen, wenn jemand schon lange abhängig ist. Werfen alte Probleme noch heute lange Schatten, kann eine Beschäftigung damit aber außerordentlich wichtig sein.

In dieser Praxis arbeite ich seit vielen Jahren mit der psychoanalytisch-interaktionellen Methode von Heigl & Heigl-Evers, die u. a. für die Behandlung von Alkoholabhängigen in Tiefenbrunn bei Göttingen entwickelt wurde. Weiteres darüber erfahren Sie unter Tiefenpsychologie. Daneben kommen etliche suchtspezifische Techniken und Konzepte zum Einsatz. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen, vor allem das aus den USA stammende Rückfallvorbeugungskonzept von Marlatt, ergänzen das Vorgehen. Auch wenn manche Menschen die Behandlungen in Gruppen nicht besonders zusagt, gehört die Motivation zum Besuch einer Selbsthilfegruppe zu einem gelungen Hilfskonzept, um die dauerhafte Abstinenz zu sichern.

Die Richtlinien zur Behandlung von Alkoholabhängigen haben sich vor Kurzem geändert. Nun ist eine ambulante Psychotherapie auch ohne stationäre Entgiftung oder langfristig Abstinenz durchführbar, was prinzipiell eine wesentliche Verbesserung in der Versorgung ermöglicht. Ziel ist die dauerhafte Etablierung der Abstinenz geblieben. Der suchtkranke Patient hat aber neuerdings während der Psychotherapie durch Vorlage geeigneter Laborparameter seinen abstinenten Lebensstil zu dokumentieren.