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Diagnosen

Suizidalität – Selbsmordgefährdung

Suizidalität beschreibt Gefühle der Lebensmüdigkeit, Hilflosigkeit und Verzweiflung, die durch Handlungsimpulse oder konkrete Pläne begleitet werden können. Auslöser für die emotionale Abkehr vom Leben können konkrete Erlebnisse im Leben eines Menschen sein, die ihn dazu bringen, sich mit dem Tod im Allgemeinen und mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Dazu gehören Umbrüche in der Lebenssituation, der Verlust eines geliebten Menschen, Trennungserlebnisse, schwere Erkrankungen oder auch persönliche Kränkungen. Wenn ein Mensch seines eigenen Lebens überdrüssig wird und keine Perspektive für die Zukunft sieht, kann dies zu Selbstmordgedanken führen.

Man unterscheidet die passive und aktive Suizidalität. Eine passive Suizidalität äußert sich darin, dass ein Mensch seinem eigenen Tod gleichgültig gegenüber steht. Der Tod ist kein Schreckgespenst sondern stellt eine Erlösung dar. Bei einer aktiven Suizidalität macht sich der Betroffene Gedanken darüber, wie er seinen eigenen Tod selbst herbeiführen kann, erstellt eventuell konkrete Pläne. Suizidales Verhalten äußert sich entweder darin, dass ein Mensch seinem Körper aktiv selbst schädigt, oder dass er lebenserhaltende Maßnahmen verweigert, wie zum Beispiel Arztbesuche oder die Einnahme von Medikamenten.

Ursachen

Ursache der Suizidalität können psychische Erkrankungen oder auch persönliche Krisen sein. Besonders bei Menschen, die an einer Depression leiden, kommen Selbsttötungsgedanken häufig vor. Erhöht ist die Selbstmordgefährdung auch bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen oder psychotischen Erkrankungen. Auch wenn ein Mensch bereits einen Selbstmordversuch unternommen hat oder es einen Suizid in der Familie oder im Freundeskreis gegeben hat, ist das Suizidrisiko bei einer Person, die sich in einer Lebenskrise befindet, erhöht.

In Deutschland sterben jährlich über 9.000 Menschen durch die eigene Hand. Eine Rolle spielt dabei auch das Geschlecht. Männer sind von einem Suizid häufiger betroffen als Frauen. Bei Frauen liegt die Zahl der Versuche jedoch höher als bei Männern.

Ankündigungen

Wenn ein Mensch über Selbstmordgedanken spricht, sollte dies auf jeden Fall ernst genommen werden. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass Menschen, die ihre Lebensmüdgkeit ansprechen, sich nichts antun würden. Geäußerte Suizidgedanken sind im Grunde ein Hilferuf, der deutlich machen soll, dass sich die betroffene Person in einer Lage befindet, die sie nicht eigenständig bewältigen kann. Wichtig für die betroffene Person ist es, sie in dieser Situation nicht alleine zu lassen, sondern gemeinsam mit ihr professionelle Hilfe aufzusuchen.

Angehörige oder Freunde können die führende Rolle übernehmen, indem sie die betroffene Person zum Beispiel zu Arztterminen begleiten. Zumeist ist der Wunsch zu sterben ein vorübergehender Zustand. Mit professioneller Hilfe soll es der betroffenen Person ermöglicht werden, die Krise zu bewältigen und wieder neuen Lebensmut zu fassen. Äußert eine Person keine konkreten Suizidgedanken, gibt es aber Hinweise darauf, dass die Person ihres Lebens überdrüssig ist, sollte sie darauf direkt angesprochen werden. Oft stellt es für die betroffene Person eine Erleichterung dar, wenn sie über ihre Suizidgedanken sprechen kann.

In vielen Fällen erscheinen Personen kurz vor der Ausführung eines Suizids als besonders ruhig und ausgeglichen. Diese Verhaltensweisen sollten auf keinen Fall so gedeutet werden, dass es der Person besser geht und keine Suizidgefährdung mehr besteht. Handelt es sich um eine akute Suizidgefährdung sollte direkt und sofort gehandelt werden, indem man den Notarzt und die Polizei informiert. In einer solchen Situation gilt für Betroffene, eigene Scham- oder Schuldgefühle zurückzustellen, um sich anderen Personen anzuvertrauen.

In meiner Praxis

In meiner Praxis kommt es nicht so häufig vor, dass sich suizidale Patienten anmelden bzw. eine suizidale Phase auftritt. Beginnt ein selbstmordgefährdeter Patient bei mir eine Therapie, übernehme ich damit eine besondere Verantwortung. Das bedeutet, es müssen optimale Bedingungen vorliegen wie z.B. ein sofortiger, regelmäßiger Termin und die Möglichkeit zusätzlicher Telefonate. Wartezeiten sind hier also ein Tabu. Zur Absicherung gegen spontane Impulshandlungen wird ein Vertrag geschlossen, der verschiedene Handlungsweisen festschreibt. Die Überbrückung etwaiger Urlaubszeiten stellt natürlich eine besondere Schwierigkeit dar, die genau geplant werden muss. Im Falle einer Suizidalität ist auf jeden Fall eine psychiatrische Untersuchung notwendig und vermutlich würde man zu einer Medikation mit einem geeigneten Antidepressivum raten.

Weitere Informationen, wie Sie im Falle einer Suizidalität z. B. eines Angehörigen reagieren können, finden Sie unter Notfall.