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Diagnosen

Trauma

Trauma – Posttraumatische Belastungsstörung – PTSD

Von einem Trauma wird gesprochen, wenn das Erlebte folgenschwere seelische und körperliche Spuren hinterlässt. Oft bezeichnen die Betroffenen in ihrer Erinnerung die durchlebte Situation als traumatisch. Standen Leib und Seele unter bedrohlichem Stress kann das Entsetzen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) nach sich ziehen.

Führten früher Krieg, Verfolgung und Armut zu solchen Zuständen, verursachen heute Verkehrsunfälle, häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch oder Raubüberfälle eine derartige Kombination unterschiedlicher Symptome wie Angstattacken, Depression und ungebetene Erinnerungen. Mancher Soldat kehrt aus Afghanistan mit einer PTSD heim. Die Geschädigten schlafen schlecht, haben Albträume, sind unkonzentriert und dauerhaft angespannt. Sie vermeiden jegliche Erinnerung an das Erduldete und ziehen sich vom öffentlichen Leben zurück. Psychosomatische Beschwerden im Verdauungstrakt, dem Rücken oder des Herz-Kreislaufsystems können ebenfalls auftreten. Bisweilen geraten die Opfer in Abhängigkeit von Suchtmitteln oder sie verletzten sich selbst.

Traumatische Ereignisse überschreiten die normalen Anpassungsmechanismen von Körper, Seele und Geist. Daher brauchen die Betroffenen die Gewissheit, dass sie weder unnormal reagieren und ihre Empfindungen zu einer posttraumatischen Belastungsstörunggehören. Viele weniger stark Traumatisierte schaffen, das Trauma allein zu bewältigen, andere Menschen nehmen dazu therapeutische Hilfe in Anspruch. Dabei ist Eile geboten. Nehmen Sie innerhalb von drei Monaten psychologischen Beistand in Anspruch, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, dass mit Hilfe der Therapie verhindert werden kann, dass der Schrecken chronisch wird.

Psychotherapie bei traumatischen Erlebnissen

Mit speziellen Ansätzen kann eine Psychotherapie helfen, die Furcht zu verarbeiten. Dabei kommen Tiefenpsychologie und traumatherapeutische Techniken, wie u.a. die EMDR, zum Einsatz. Sie erlernen Strategien zum besseren Umgang mit dem Geschehenen, die Sie dann im Alltag stabilisieren. Zwanghafte Mechanismen werden entbehrlicher, das Selbstwertgefühl nimmt zu, Sie finden wieder zu sich. Schlüsselreize wie Gerüche, Bilder oder Gefühle werden Ihnen bei gelungener Therapie

kaum noch Leid auslösen. Sie können wieder in ein normales Leben zurückkehren. In manchen Fällen ist zusätzlich eine begleitende Entlastung durch Medikamente oder Entspannungsübungen angezeigt. Haben sich die Symptome bereits so verfestigt, dass sie bereits über längere Zeit das ganze Leben lahm gelegt haben, so kann mit einer Psychotherapie in der Regel zumindest eine wesentliche Verbesserung erreicht werden.

Neue Trends

Aus unterschiedlichen Studien weiß man, dass extrem intensive, mit Todesangst verbundene Erlebnisse im Gehirn unter Umgehung der Großhirnrinde abgespeichert werden und kleine Auslösereize dann noch Jahrzehnte später ohne den Umweg über die Großhirnrinde das Angstzentrum des Gehirns blitzschnell in aktivieren können mit der Folge eines emotionalen Gewitters. Da sich die Gedächtnisspuren generell durch ein erneutes Aufrufen verändern lassen, dies aber üblicherweise grade bei Traumata bisher nicht therapeutisch nutzbar zu machen war, weil es lediglich erneut ein Wiedererleben auslöste, aber keine Neuabspreicherung, haben sich niederländische Angstforscher um Merel Kindt einen neuen Ansatz überlegt: Ein Medikament soll bei der Wiedererinnerung auf die Gedächtnisinhalte einwirken, indem es die mit den erinnerungen verbundenen Ängste ausschaltet.

Hierbei handelt es sich um den Betablocker Propranolol. Dieser gelangt nach Einnahme mit dem Blut auch ins Gehirn, wo es im limbischen System, das für die Gefühlssteuerung zuständig ist, wie ein körpereigener Botenstoff andockt. Wenn die Rezeptoren der Nerven von Propranolol besetzt werden, können Stressbotenstoffe wie Noradrenalin nicht mehr an diese andocken. Damit kann das Angstzentrum durch die belastenden Erinnerungen für die Wirkdauer des Medikamentes nicht mehr in wesentlichem Umfang aktiviert werden. Wenn nun grade dann, wenn man das Schreckliche erinnert, man gleichzeitig aufgrund der Medikamentenwirkung nicht in der Lage ist, Angst und Schrecknis zu empfinden, dann wird der kritische Inhalt ohne den Affekt Angst erneut abgelegt.

Dieser interessante neue Therapieansatz steckt zur Zeit noch in den Kinderschuhen und es ist unklar, wann und durch wen er zum professionellen Einsatz kommen kann. Von Selbstversuchen raten die Forscher ab, da die Medikamente rezeptpflichtig sind und Nebenwirkungen haben. Als Anwendungsgebiete werden neben Traumata auch Angststörungen anvisiert.