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Diagnosen

Migräne – Kopfschmerzen

Furchtbare Kopfschmerzen, das Zimmer abdunkeln und den Tag im Bett verbringen – genau das bedeutet Migräne für viele Betroffene. Während diese Krankheit früher den Ruf hatte, eine Ausrede für Drückeberger zu sein, hat sich das Image der Betroffenen inzwischen wesentlich verbessert seit nachgewiesen ist, dass es sich um eine ernsthafte und quälende Erkrankung handelt, auf die die Betroffenen nur wenig Einfluss nehmen können.  

Migräne ist eine Volkskrankheit, an der ca. 10 %, oder je nach Dunkelziffer bis zu 20 % der deutschen Bevölkerung leiden. Die Betroffenen leiden unter meist einseitig auftretenden Kopfschmerzattacken. Die periodischen Anfälle treten plötzlich auf, dauern von einer bis zu mehreren Stunden, schlimmstenfalls auch mehrere Tage. Oft werden Migränesymptome nicht ernst genommen oder nicht als solche erkannt und als Kopfschmerzen abgetan, die Betroffenen leiden aber unter einer neurologischen Funktionsstörung, bei der das Hirn stärker auf Reize reagiert als normal.

Entstehung und Entwicklung einer Migräneerkrankung sind nicht geklärt; physiologische Erklärungsansätze reichen von genetische Ursachen, Überempfindlichkeiten, neurogenen Entzündungen über die Erweiterung der Blutgefäße während eines Anfalls bis hin zu Muskelanspannungen im Kopf-, Schulter- und Nackenbereich. Psychosomatische Ansätze vermuten eine Kombination aus Aggression und Verkrampfung als Auslöser, die durch zu viel Erfolgs- und Leistungsdruck, hohen Erwartungshaltungen gegenüber sich selbst oder von anderen, Überforderung, aber auch durch das Unterdrücken von Gefühlen zustande kommt. Trotz einer vorhandenen genetischen Disposition wird ein Migräneanfall letztendlich erst durch einen Auslöser hervorgerufen: Neben Hormonschwankungen können verschiedene Formen von Stress, aber auch Ruhephasen (Wochenende, Urlaub), große emotionale und körperliche Anstrengungen, grelle Lichtquellen und Wetterumschwünge, die Einnahme von bestimmter Medikamenten, Nikotin oder Alkoholika eine Attacke auslösen. 

Bild von einer Seitenstrasse der Praxis

Ein Anfall kündigt sich in der Regel durch eine sogenannte Vorbotenphase an, die kurz vor der Attacke, aber auch bis zu 2 Tagen vorher auftreten kann. Charakteristisch sind Müdigkeit mit Gähnen, Geräuschempfindlichkeit oder Heißhungerattacken, wobei die bevorzugten Nahrungsmittel oft falsch als Auslöser interpretiert werden. In etwa 20 % der Fälle wird der Anfall durch eine bis zu ca. 60 min andauernde ‚Migräneaura‘ angekündigt: Sehstörungen (Alice-im-Wunderland-Syndrom mit verändertem/r Größensinn, Akustik, Sensorik, Zeitempfinden), aber auch eingeschränkte Körperwahrnehmung, empfindlicher Geruchssinn sowie motorische und Sprachstörungen zählen zu den charakteristischen Merkmalen. Dann folgt die Kopfschmerzphase mit pulsierendem, pochendem Schmerz, die mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen einhergehen und von Licht- und Geräuschempfindlichkeit (Photo-/Phonophobie) begleitet werden kann. Erwachsene leiden meist unter einseitigem, Kinder oft unter beidseitigem Schmerz. Es können auch nur die Symptome ohne den eigentlichen Kopfschmerz auftreten. Dann erfolgt die Rückbildungsphase. Am häufigsten kommt die Gewöhnliche Migräne ohne Aura, aber möglicherweise mit Vorbotenphase, vor (ca. 80 %), gefolgt von der Klassischen Migräne mit Aura. Wesentlich seltener treten die Migräne vom Basilaristyp mit Hinterkopfschmerz, Schwindel und Übelkeit sowie die genetisch bedingte Familiäre hemiplegische Migräne und die Sporadische hemiplegische Migräne auf; diese beiden Formen zeichnen sich durch vorübergehende Lähmungserscheinungen aus.

Eine Behandlung beginnt mit einer ausführlichen Anamnese, bei der ein Schmerztagebuch hilfreich ist. Da die häufige Einnahme von Schmerzmitteln zu medikamenteninduzierten Schmerzen führt, kann bei schweren Fällen eine Prophylaxe mit Betablockern angebracht sein, um Dauer, Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren. Je nach Anamnese lindert auch eine Medikation mit Antiepileptika, bei gestörtem Serotoninspiegel mit Antidepressiva die Beschwerden. Empfohlen ist eine Kombination mit anderen Methoden:
            – Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung
            – Bio-Feedback-Training
            – Verhaltenstraining
            – Konkordanztherapie, um Körpersignale und Gefühle wahrzunehmen und zu interpretieren  

Psychotherapeutische Unterstützung wird vor allem dann empfohlen, wenn eine deutliche Stresskomponente bei der Migräne eine Rolle spielt. Neben direkten Maßnahmen gegen den Stress und die einhergehende innere Anspannung wird man sich möglicherweise auch den Hintergründen des Belastungserlebens zuwenden, um die Neigung sich selbst unter Druck zu setzen zu verstehen und aus diesem Verständnis heraus zu reduzieren.