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Diagnosen

Soziale Phobie – Soziophobie

Von einer sozialen Phobie spricht man, wenn die Furcht davor, bei anderen Menschen auf Ablehnung zu stoßen, so groß ist, dass bestimmte gesellschaftliche Zusammenkünfte bewusst vermieden werden. Dabei handelt es sich weniger um Angst, die innerhalb von Menschenmassen erlebt wird, sondern um kleinere, gut überschaubare soziale Konstellationen, die zum angstauslösenden Faktor werden.

Erleben

Die Betroffenen erleben das Zusammentreffen und die Kontakte mit anderen Menschen als bedrohlich, sie erröten oder beginnen zu zittern. Auch Beschwerden wie Herzrasen, Atemnot, Panikattacken, Übelkeit, Schwindel, Harndrang, Depersonalisation oder Derealisation sind möglich. Für manche Patienten sind es nur einige, klar definierte Situationen, welche die Angstsymptome hervorrufen, andere erleben ein sehr breites Spektrum sozialer Kontakte als angstauslösend.

Vermeidung

Betroffene entwickeln häufig die Tendenz, die Angst auslösenden Situationen von vornherein zu vermeiden. Dies schränkt ihre privaten und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten zum Teil sehr stark ein. Im Extremfall führen Patienten mit sozialer Phobie ein völlig isoliertes Leben. Weitere Folge dieser Störung kann das Entstehen einer Depression oder Suchterkrankung sein. Auch tritt die Sozialphobie häufig zugleich mit weiteren Angststörungen auf.

Häufigkeit

Nach Schätzungen leiden möglicherweise bis zu 10 % der Menschen in Deutschland zeitweise unter einer sozialen Phobie. Exakte Daten sind jedoch schwer zu ermitteln, da der Übergang zwischen „normaler“ Schüchternheit und einer sozialen Phobie fließend sein kann. Generell sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männer.

Ursachen

Aus der Zwillingsforschung weiß man, dass die genetische Disposition bei der Entstehung einer sozialen Phobie eine wichtige Rolle spielt. Ob eine solche Angststörung sich jedoch tatsächlich entwickelt, hängt von weiteren Faktoren ab. So spielen das Modelllernen und die Verschlimmerung der Angst durch permanentes Vermeiden von sozielen Situationen nach Auffassung von Lerntheoretikern eine wesentliche Rolle. Sicher fließen aber auch gedankliche Aspekte, die Wahrnehmung des Selbst und der sozialen Kontakte in der entsprechenden Situation, und die Informationsverarbeitung mit ein. Psychoanalytische Erklärungsmodelle betonen Bindungsaspekte, Trennungsangst und die Rolle verdrängten Erlebens. Auch die Angst vor Bloßstellung gilt als bedeutsam im Zusammenhang mit der Entstehung sozialer Phobien.

Psychotherapie bei Sozialer Phobie

In einer Therapie geht es darum einen neuen Umgang mit den angstauslösenden Situation sowie den dazu gehörigen Gefühlen und Gedanken zu bekommen. Dabei geht es einerseits um die Herausarbeitung von Hintergründen oder Begleitfaktoren und auch um eine stärkere Akzeptanz und realistischere Einschätzung der eigenen Person. So lernen Patienten, ihre negative Selbsteinschätzung wie auch ihr Perfektionsstreben zu hinterfragen und durch angemessene Einschätzungen zu ersetzen. Sie erwerben ein höheres Maß an Unabhängigkeit von der Beurteilung durch andere und lernen, Ablehnung und Risiko zu ertragen.

Oft wird eine Gruppenpsychotherapie empfohlen, da man dort die Ängste gleich durchstehen kann und erleben kann, akzeptiert und geachtet zu werden. Die Teilnahme an einer Gruppentherapie erfordert für die Betreffenen natürlich besonderen Mut, sich den eigenen Ängsten zu stellen.

Die Therapie der sozialen Phobie kann prinzipiell durch Angst abbauende Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung unterstützt werden. Wesentlich beim Abbau der Ängste ist das therapeutisch vorbereitete und begleitete konsequente und möglichst häufige Durchstehen der vorab gemiedenen Situationen.