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 Archiv – Weitere Artikel

 

In diesem Bereich des Archivs finden Sie weitere Artikel über verschiedene Themen rund um Psychotherapie. 

Klemmbrett mit Füller symbolisiert das Geschriebene
Beruf Psychotherapeut:in

Was ist eine Psychotherapeut:in?

Berufsbezeichnung Psychotherapeut/in

Die Berufsbezeichnung Psychotherapeut:in ist gesetzlich geschützt und sagt aus, dass Personen mit diesem Titel eine staatliche Erlaubnis zur psychotherapeutischen Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben. Eine Psychotherapeut:in kann vom Grundberuf eine Diplom-Psycholog:in bzw. Master der Psychologie (Psychologische Psychotherapeut:in) oder ein Arzt bzw. Ärztin (Ärztliche Psychotherapeut:in) sein. Alle Psychotherapeut:innen haben zusätzlich zu ihrem Grundberuf (Arzt:in, Psycholog:in) eine psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen oder sich auf andere Weise zusätzlich qualifiziert.

Kinder- und Jugendlichentherapeut:innen

Kinder- und Jugendlichentherapeut:innen besitzen die staatliche Erlaubnis zur psychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:in kann vom Grundberuf ein Psycholog:in, ein Arzt/Ärztin oder eine Pädagog:in sein, die bzw. der für die Therapie von Kindern und Jugendlichen ausgebildet ist.

Psychotherapeutengesetz

Durch das Psychotherapeutengesetz ist die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut:in“ rechtlich geschützt für diejenigen, die eine Approbation (Berufszulassung) aufgrund des Psychotherapeutengesetzes oder als Arzt/Ärztn mit entsprechender Zusatzausbildung besitzen. Das garantiert Ihnen, dass ein Psychotherapeut bzw. eine Psychotherapeutin eine fundierte Ausbildung besitzt, sich außerdem regelmäßig fortbildet und ausreichend praktische Erfahrungen sammeln konnte.

Schweigepflicht

Mit dem Titel „Psychotherapeut:in“ sind außerdem weitere Anforderungen verknüpft, so hat eine Psychotherapeut:in eine Schweigepflicht und darf Außenstehenden ohne eine Schweigepflichtsentbindung nicht einmal Auskunft darüber geben, ob jemand bei ihm in Behandlung ist. Auch von Gerichten kann der Psychotherapeut in den meisten Fällen nicht gezwungen werden, das ihm Anvertraute preis zu geben.

Gelingen einer Therapie

Für das Gelingen einer Therapie ist jedoch nicht nur die umfangreiche Ausbildung der Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten entscheidend, sondern vor allem dass es gelingt, eine positive Beziehung und Arbeitsbasis herzustellen.

Kassenzulassung

Kassenzugelassene Psychotherapeuten können sich niederlassen und eine Praxis eröffnen. Für Interessierte dürfte entscheidend sein, ob die Psychotherapeut:in eine Kassenzulassung hat, weil dann die Kosten von der Krankenkasse, der Beihilfe oder auch der privaten Krankenversicherung übernommen werden können und Sie die Therapie nicht selbst zahlen müssen.

Kassenzugelassene Psychotherapeut:innen können je nach Ausbildung prinzipiell eines oder mehrere von folgenden drei Therapieverfahren mit den Krankenkassen abrechnen:

  • Tiefenpsychologie
  • Verhaltenstherapie
  • Psychoanalyse

Auch diese Praxis ist eine Praxis mit Kassenzulassung und es besteht die Möglichkeit, mit den Kassen Leistungen im Rahmen der tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie abzurechnen.

Ausblick

Im Zuge der Reformation der Hochschulen, dem sogenannten Bologna-Prozess, wurde auch eine Reform der unterschiedlichen psychotherapeutischen Berufe umgesetzt. Inzwischen gibt den eigenständigen Studiengang des Psychotherapeuten, der mit einem Master abgeschlossen wird.

Andere Berufe

Heilpraktiker

Eine Heilpraktiker:in darf auch Psychotherapie anbieten, sich allerdings nicht Psychotherapeut:in nennen. Voraussetzung für die Anerkennung zum/r Heilpraktiker:in für den Bereich der Psychotherapie ist mindestens ein Hauptschulabschluss, die Vollendung des 25. Lebensjahres sowie das Bestehen der Heilpraktikerprüfung, auf die man sich mit einem 6-wöchigen Kurs oder auch einer nebenberuflichen, meist zweijährigen Ausbildung vorbereiten kann. Eine Heilpraktiker:in unterliegt nicht der Verpflichtung zum Stillschweigen.

Psychiater:in

Eine Psychiater:in ist ein Arzt bzw. eine Ärztin mit der Spezialisierung auf die Psychiatrie. Sein bzw. ihr Gebiet ist die Diagnostik und Behandlung von psychischen Erkrankungen oder Störungen unter Einbeziehung der körperlichen Ebene. Das heißt, dass eine Psychiater:in ggf. auch Psychopharmaka verordnet.

Neurolog:in

Eine Neurolog:in ist ein Arzt, eine Ärztin mit der Spezialisierung auf die Neurologie. Sie ist spezialisiert auf Erkrankungen des Nervensystems. Die Abgrenzung zur Psychiater:in ist fließend.

Risikoaufklärung Psychotherapie

Risikoaufklärung Psychotherapie

Warum eine Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen einer Psychotherapie? Da eine Psychotherapie ein Behandlung mit zahlreichen Wirkungen und einhergehenden Veränderungen in Seele, Geist und Körper ist, kann sie auch eine Reihe unerwünschter oder unerwarteter Auswirkungen haben. Darüber möchte ich Sie hier aufklären.

Zunächst einmal vorweg, im folgenden Text werden allerlei mögliche Auswirkungen einer Psychotherapie aufgeführt. Ein wichtiges gravierendes Risiko besteht allerdings auch im Verzicht auf eine Psychotherapie. Ihr Leiden könnte größer werden, Ihre Symptomatik könnte chronifizieren und damit einer Behandlung schwerer  – bzw. bei wenigen Krankheitsbildern auch gar nicht mehr – zugänglich sein. Dies könnte ebenso weitreichende Folgen für Ihr Leben haben wie die einer Psychotherapie.

Womit ist denn zu rechnen, wenn man sich in Behandlung begibt? 

Jemand, der seinen inneren Konflikt bearbeitet, kann z. B. Rückenschmerzen bekommen oder er kann nachts nicht schlafen. Solche Reaktionen gehören zur Therapie selbst und haben ihren Sinn. Es kann sinnvoll sein, die tiefere Bedeutung der Beschwerden zu verstehen. Eine erfolgreiche Therapie bedeutet mitunter, eine Phase schmerzhafter Belastungen zu durchstehen. Ein Anstieg der ohnehin quälenden Symptome kann vorübergehend auftreten und bietet keine Hinweise auf das Gelingen der Veränderungen. Wichtig ist es hier vielmehr, ihrer Therapeutin das Ausmaß des Leidens zu offenbaren. Die psychische Symptomatik und die körperlichen Begleiterscheinungen werden sich voraussichtlich mittelfristig verbessern, deshalb wird eine Psychotherapie schließlich auch gemacht. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass sich die Symptomatik insgesamt nicht bessert oder dass gar mehr Symptome auftauchen bis hin zur Suizidalität. Gelegentlich stellen sich auch Verbesserungen in Bereichen ein, die gar nicht im Zentrum der Therapie lagen, während die eigentlichen Ziele nicht zufriedenstellend erreicht werden.

In der Psychotherapie werden lebensgeschichtliche Erfahrungen wie auch aktuelle Situationen aufgearbeitet. Je nach Verlauf der Therapie können alte Emotionen und Erinnerungen erneut stärker belebt werden oder alte Konflikte verlangen nach Klärung. Daher kann es passieren, dass Sie zeitweise in Streit mit Ihren Verwandten oder anderen Vertrauenspersonen geraten. Sie könnten z. B. im Verlaufe eines solchen Streites enterbt werden. Führen Ihre Versuche, ihre Position in der Ehe zu verbessern, zu immer mehr Streit, ist auch eine Trennung oder Scheidung nicht ausgeschlossen. Oder aber Ihre Partnerschaft intensiviert sich und Sie werden schwanger. Ihr neues selbstbewusstes Auftreten könnte von Ihrem Chef als Aufbegehren ausgelegt werden und zu Problemen am Arbeitsplatz führen. Auf der anderen Seite könnten Ihre Verhaltensänderungen auch zu einer Beförderung führen.

Verantwortung

Wenn Sie Ihre Beziehungen und Ihr Beziehungsverhalten ändern, dann hat es Konsequenzen in der einen oder anderen Richtung. Deshalb ist es in der Therapie wie auch sonst im Leben wichtig, die Verantwortung für sich und die eigenen Taten zu übernehmen. Schließlich ist es der Patient / Klient, der mit den positiven und negativen Folgen leben muss. Die Therapeutin sitzt möglicherweise gemütlich zu Hause, während Sie die Folgen Ihrer neuen Experimente zu tragen haben. Wegen dieser Erwägungen gab es zu Freuds Zeiten den Rat, während der Psychotherapie keine weitreichenden Entscheidungen zu treffen bzw. diese wenigstens vorab mit dem Therapeuten zu besprechen, um sicher zu sein, den tieferen Sinn und das Ausmaß der Konsequenzen erfasst zu haben.

Aufklärung über rechtliche Fallstricke

Über diese Folgen hinaus gibt es mehrere rechtliche Fallstricke zu bedenken. Traditionell haben Versicherungsunternehmen Risikoberechnungen erstellt, die teilweise Daten in einer wissenschaftlich nicht fundierten Weise miteinander vermengen. Dies führt dazu, dass die Gefahr besteht, ungerechtfertigterweise als Psychotherapiepatient bzw. auch als Patient eines Arztes diskriminiert zu werden. Neue Studien wie z. B. eine aktuelle große Studie der Techniker Krankenkasse haben berechnet, dass nach einer Psychotherapie die Patienten gesünder sind und weniger Krankheitstage zu verzeichnen sind. Viele Versicherungen gehen aber von alten Daten aus und bieten beispielsweise Berufsunfähigkeitsversicherungen (BU) oder Lebensversicherungen nicht oder nur mit Abstrichen an, wenn jemand eine Psychotherapie gemacht hat. Dies gilt selbstverständlich auch für Konsultationen bei Ärzten. Ebenso könnte theoretisch eine Nachfrage des Dienstherren beim behandelnden Psychotherapeuten zu beamtenrechtlichen Konsequenzen führen

Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement in der psychotherapeutischen Praxis

Das Qualitätsmanagement in einer psychotherapeutischen Praxis umfasst Aspekte des therapeutischen Vorgehens, die Effizienz der administrativen Abläufe und die zuverlässige Zusammenarbeit mit anderen Behandlern sowie den Kostenträgern.

In meiner Praxis betrachte ich meine Patienten und Klienten als mündige und kritische Kunden, deren Meinung mir wichtig ist. Eine Überprüfung und möglichst Verbesserung der Qualität spielt deshalb eine wichtige Rolle. Wie alle kassenärztlich zugelassenen Praxen bin ich den meisten Kostenträgern bzw. den anderen Behandlern gegenüber verpflichtet, teilweise umfangreiche Berichte zur Beantragung oder über die Entwicklung der Therapie zu erstellen. Das ist sicherlich auch ein interner Schritt zur Überprüfung meiner eigenen Arbeit. Doch in erster Linie liegt mir das Wohlbefinden der Patienten und deren Therapiefortschritt am Herzen. Ihre Rückmeldungen über die Zufriedenheit mit der Therapie und den Abläufen in der Praxis geben Anhaltspunkte dafür, was gut ist und was verbessert werden kann.

Die Frage, wie gut sich Patienten in meiner Praxis aufgehoben fühlen, hängt nicht nur von meiner professionellen Kompetenz sowie der therapeutischen Beziehung, sondern darüber hinaus auch von organisatorischen Aspekten und Umgebungsbedingungen ab. Ebenso wie in der therapeutischen Arbeit die Supervision wichtig ist, hinterfrage ich in bestimmten Abständen die Effizienz der administrativen Abläufe und reagiere darauf eventuell mit Umstrukturierungen. Auch bemühe ich mich um eine möglichst konstruktive Zusammenarbeit mit zuweisenden Ärzten, Krankenkassen und anderen Einrichtungen. Die Bedingungen, unter denen unsere Patienten behandelt werden, sind zugleich meine eigenen Arbeitsbedingungen und die des Teams. Daher lege ich sehr viel Wert auf einen freundlichen Umgang mit allen Klienten und weiteren Personen rund um die Praxis.

Zu den Neuerungen im QM, die in allen Kassenpraxen umgesetzt werden sollten, gehören aktuell neue Vorschriften zu Hygiene und zur Datensicherheit, die Patienten noch mehr Sicherheit im hinblick auf die Gesundheit als auch auf die Datensicherheit geben sollen.

Hintergründe für die Zunahme psychischer Beschwerden

Gesellschaftliche Hintergründe für die Zunahme psychischer Beschwerden

Manch einer fragt sich, warum psychische Krankheiten oder auch nur einfache Beschwerden, die noch nicht Krankheitswert erreicht haben, so zunehmen, welche Hintergründe dafür auszumachen sind.

Es ist also die Frage nach dem Dahintersthenden, den subtilen Ursachen. Verbunden damit ist auch das Wiederaufgreifen einer Selbstkritik der Psychologie und Psychotherapie, die in den 70gern populär war, dass nämlich die Psychotherapie die Unzulänglichkeiten der Gesellschaft glätten soll.

Natürlich kann man auf die Frage nach der Ursache der Zunahme psychischer Krankheiten und seelischen Unglücks keine wirklich einfache Antwort geben, sondern nur einen gesellschaftlichen Wandel skizzieren und darin vermeintliche oder echte oder umständebedingte Bösewichte ausmachen.

Nr. 1: Der Wegfall von Struktur.

Inzwischen sind viele Ideale der 70ger näherungsweise erreicht, wir können unseren Lebensweg frei bestimmen – jedenfalls theoretisch – und haben damit die Qual der Wahl. Bestimmende Vorschriften wie z. B. die detaillierten Vorschriften über das Verhalten in unterschiedlichen Situationen – so negativ sie sich für viele Menschen dargestellt haben und so „spießig“ sie auch waren und sind – haben eine stützende, entlastende Funktion gehabt, hatten wir doch nicht die Qual, wählen zu müssen und den Zweifel an der Entscheidung, gab das Wertesystem eindeutige Hinweise für die meisten Situationen und bot ein Geländer für den Lebensweg. Innerhalb definierter sozialer Hierarchien und Komplexe kann Sicherheit entstehen. Die Sicherheit, die möglicherweise Voraussetzung für Entspannung, Ruhe und Zufriedenheit ist – und auch für nahe, verläßliche soziale Beziehungen.

Nr. 2: Der Verlust des sozialen Umfeldes

Ich vermute, dass sich die Menschen früher vielleicht nicht immer geborgen in ihrem sozialen Kontext fühlten, aber vielleicht doch bedingungslos zugehörig und verbunden – zumindest so lange nicht gegen die sozialen Regeln verstoßen wurde. Menschen hatten mehr Geschwister, mehr Kontakt zur Familie, bekamen mehr Kinder, die Ehen boten mehr Verläßlichkeit (wenn auch mitunter für einen hohen Preis), man zog auch in der Regel nicht häufig um oder dauerhaft fort. Heute haben viele Menschen ein verläßliches Umfeld, viele aber auch nicht. Es entsteht eine Form von Einsamkeit, in der außerdem der Halt durch bloße Zugehörigkeit fehlt.

Nr. 3. Das Verschieben der Werte

Dadurch, dass die Konzentration auf Heim und Familie keine echte Leitlinie mehr ist, dadurch, dass Beziehungen eher brechen, verlassen sich Menschen vernünftigerweise nicht mehr auf die Liebsten um sich, sondern auf sich selbst und konzentrieren sich auf das, was von ihnen beeinflußbar erscheint, und das ist Leistung und berufliche Laufbahn – zumindest bei denen, die einer bezahlten Tätigkeit mit Entfaltungspotential nachgehen, was allerdings nicht für alle Menschen gilt. Das Dogma der erfolgreichen Berufstätigkeit hat inzwischen viele Menschen der Mittelschicht und der Oberschicht erfasst, auch Frauen definieren sich über ihre berufliche Laufbahn. Leider sind heutzutage mit der Karriere allerlei Einschnitte verbunden. Häufig werden Grenzen irgendeiner Art überschritten. Man zieht um, man arbeitet mehr als die üblichen 38,5 oder 40 Stunden, man paßt sich der Tätigkeit in vielfältiger Weise an mit der Folge, dass man vielleicht zu viel des Eigenen aufgibt. Unter diesem Blickwinkel verwundert auch nicht das epidemieartige Auftreten der Diagnose Burnout. Denn der geleistete Arbeitseinsatz entschädigt uns schließlich nicht für das Fehlen eines verlässlichen Lebenspartners oder des Kontaktes zu zuverlässigen Bezugspersonen. Was in vielen Fällen bleibt, das ist vermutlich eine Leere.

Neben der Übermacht beruflicher Erfolge, gibt es einen damit zusammen hängenden wichtigen Auslösefaktor, der mit unseren Wertungen zusammenhängt: Es ist der Wert der Zeitknappheit. Ein Phänomen, das unter einem anderen Blickwinkel als Schnellness bezeichnet wurde, nämlich die Tendenz, dass alles schnell, unmittelbar passieren oder da sein soll. Jedenfalls ist es eine gängige Tendenz, das eigene Leben vollzustopfen, wie eine zu kleine Einkaufstasche, sich über die vielen „Einkäufe“ aufzuwerten und in Eile von einer Aktivität zur nächsten zu hüpfen, selbst kleinste Ruhemomente mit scheinbar sinnvollen Aktivitäten aufzufüllen. Eile und Zeitmangel wurden dadurch zum Wert an sich.

Nr. 4. Der Einfluss der Medien

Die zeitlich intensivierte Nutzung der Medien Fernsehen und Internet hat unsere Welt verändert. Aber so schön es ist, das „neue“ Medium Internet zu nutzen und sich frei informieren, bewegen zu können, Kontakte zu knüpfen und ähnliches mehr, so sehr kann es auch gegenläufige Effekte haben, die wir uns weniger wünschen. Auf jeden Fall verbringen wir Zeit vor TV und PC, die wir nicht im Freien und nicht in unmittelbarem Komntakt zu anderen gestalten. Im Bundesdurchschnitt schauen wir durchschnittlich täglich 201 Minuten fern. (Bedenkt man, dass 24% der Zuschauer nebenbei essen, haben wir auch gleich einen Hinweise zum Thema Gewicht.) Es wird spannend werden, wenn genauere Untersuchungsergebnisse zu den längerfristigen Auswirkungen der neuen Mediennutzung auf uns Menschen vorliegen werden.

MPU

MPU

Gleich zum Start: Hier in dieser Praxis biete ich keine Vorbereitung zur MPU an. Unterstützung bieten spezielle Institute sowie zum Teil auch die Suchtberatungsstellen.

Grünes Licht bei der MPU

Von „keine Chance“ bis „reine Willkür“ – über die Medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz MPU, kursieren viele Gerüchte. Über kaum einen Test wird so viel spekuliert wie über die abfällig als „Idiotentest“ beschimpfte Untersuchung, der wir uns stellen müssen, wenn uns wegen Alkohols am Steuer oder anderer schwerwiegender Verkehrsdelikte die Fahrerlaubnis entzogen wurde. Aber was kommt wirklich auf uns zu, bei der MPU?

Das Wissen um den Sinn, die Erfolgsaussichten und den genauen Ablauf nimmt der MPU einen Großteil ihres Schreckens. Der Sinn ist klar: Wir wollen unseren Führerschein zurück. Die Gutachterwiederum wollen zu einer objektiven Einschätzung darüber gelangen, ob wir geeignet sind, ein Fahrzeug zu steuern. Was die Erfolgsaussichten angeht, spricht der hohe Anteil an Medizinisch-psychologischen Untersuchungen mit positivem Ergebnis für sich: Über 60 Prozent der MPU-Teilnehmer erhalten ihren Führerschein zurück, davon 45 Prozent sofort nach dem Gutachten, weitere 15 Prozent nach erfolgreicher Nachschulung. Und: Wenn wir mit der „richtigen Einstellung“ an den Test herangehen, das heißt, wenn wir gewillt sind, an uns zu arbeiten, erhöhen sich unsere Chancen noch – auf gut und gerne 90 Prozent.

Ablauf

Der Ablauf der viel gefürchteten MPU gliedert sich in vier Teile, die zusammen überschaubare drei bis vier Stunden dauern. Zunächst gilt es, Fragebögen zu unserer Person, in denen es um biographische und medizinische Angaben geht, wahrheitsgemäß auszufüllen. Fragen der Sorte: „Wie oft wurde bereits ein Fahrverbot gegen Sie aufgrund von Trunkenheit im Verkehr verhängt?“ unrichtig zu beantworten, hilft dabei nicht. Im Gegenteil: Die Wahrheit kommt im Laufe der Untersuchung ans Licht – und mit ihr der negative Eindruck, dass wir uns unseres Fehlverhaltens in der Vergangenheit nicht bewusst sind. Besser ist es, wenn wir ehrlich sind und – spätestens im noch folgenden psychologischen Gespräch – zeigen, dass wir unser Verhalten kritisch reflektieren.

Im zweiten Teil der MPU wird mit Hilfe von so genannten psychologischen Leistungstests unser Reaktions- und Konzentrationsvermögen getestet. Die Aufgaben steigen in ihrem Schwierigkeitsgrad; die fürs Bestehen des Tests angesetzten Werte liegen aber – zumindest für den Führerschein der Klasse B – nicht hoch.

Teil drei der MPU ist eine medizinische Untersuchung, bei der ein Arzt uns gezielt in denjenigen Bereichen untersucht, die im Zusammenhang mit dem Grund für unseren Führerscheinentzug stehen. Bei Fahren unter Alkoholeinfluss sind beispielsweise die Leberwerte von Belang.

Der vierte und wichtigste Teil der Untersuchung schließlich besteht aus einem knapp einstündigen psychologischen Gespräch, bei der ein Verkehrspsychologe nach festgelegten Kriterien untersucht, ob wir uns als Fahrer eignen. Entscheidend für ein positives Ergebnis ist hier vor allem, dass wir uns problembewusst, selbstkritisch, aufrichtig und willens zeigen, aus unseren früheren Fahrfehlern zu lernen.

Vorbereitung

Gut vorbereitet gehen wir zur MPU, wenn wir …

  • keine faulen Ausreden für „unsere Ausrutscher“ am Steuer suchen, sondern uns selbstkritisch mit unserem Verhalten auseinandergesetzt haben.
  • uns ernsthaft Gedanken gemacht haben, die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung unsererseits sehen und das Ganze auch glaubhaft zum Ausdruck bringen können. 
  • vielleicht schon einen Schritt in Richtung Verhaltensänderung gemacht haben, beispielsweise eine Therapie gegen unser Suchtproblem gemacht oder auf ein Auto mit weniger PS und Tempomat umgestiegen sind.
  • unsere Einsicht aufrichtig und stimmig vortragen, ohne in auswendig gelernte Floskeln zu verfallen, die tiefe Reue und künftig mustergültige Fahrweise vorgaukeln, aber für den Verkehrspsychologen leicht zu durchschauen sind.
  • mit Hilfe einer speziellen psychologischen Schulung im Vorfeld der MPU intensiv unsere Probleme ergründet haben und Möglichkeiten der Verhaltensmodifikation erarbeitet haben.
ADHS/Kinder

ADHS / Kinder

ADHS und ADS bei Kindern

Um Missverständnisse (und Enttäuschungen) auszuschliessen: Da wir eine Praxis für Erwachsenentherapie sind und zur Zeit nur in bestimmten Fällen Jugendliche behandeln, bieten wir für ADHS- und ADS-Kinder keine Therapieplätze und keine Diagnostik an. Aber vielleicht möchten Sie einfach etwas lesen über ADHS ….

Kinder, die unter ADHS oder ADS leiden, und ihre Eltern, haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Doch besitzen diese Kinder oft auch ein besonderes Potenzial, ihre Umwelt mit Fröhlichkeit, Witz,  Einfühlungsvermögen und Kreativität für sich einzunehmen. Solche Kinder sind oft ungestüm, bewegen sich viel und erscheinen den Erwachsenen in ihrem Umfeld manchmal ungewöhnlich unstet und sprunghaft. Doch leiden die wenigsten an ADHS. Eine solche Diagnose zu stellen, ist keine leichte Aufgabe und sollte unbedingt durch entsprechend geschulte Fachleute erfolgen. Eltern, aber auch Pädagogen, sind mit der Unterscheidung zwischen einer behandlungsbedürftigen Störung oder aber lediglich individuell unterschiedlich ausgeprägter Temperamente und alterstypischer Verhaltensweisen im Normalfall überfordert.

Symptome

ADHS geht typischer Weise mit einer Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität und Hyperaktivität einher. Von ADS spricht man, wenn keine Hyperaktivität vorliegt und das Kind eher verträumt in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Menschen mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom lassen sich bei der Bearbeitung von Aufgaben besonders leicht ablenken und neigen zu Tagträumereien.

Betroffene sind zerstreut und vergesslich. Mit großer Offenheit und schnell reagieren sie auf alles Neue, doch zeigen sie wenig Durchhaltevermögen und übersehen oft Wichtiges, wenn sie Aufgaben bearbeiten. Kennzeichnend ist, dass es ihnen besonders bei Routinetätigkeiten schwer fällt, sich zu konzentrieren. Solche Kinder sprechen und handeln spontan, ohne über die Folgen ihres Tuns nachzudenken.

Negative Konsequenzen haben kaum Auswirkungen auf ihre Unbedachtheit, weswegen sich in Lebensläufen häufig eine Unfallneigung feststellen lässt. Leichter als andere Kinder lassen sie sich zu Handlungen verleiten, durch die sie sich unter Umständen selbst gefährden. Auch Ungeduld, Stimmungsschwankungen und heftige Gefühlsausbrüche sind typisch für Kinder, die an ADHS leiden.
Hinzu kommt eine motorische Unruhe, häufig wechselnde Tätigkeiten und abrupte Bewegungen, durch die andere gestört oder aufgeschreckt werden.

Neben den Hauptsymptomen Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität fallen Kinder mit ADHS bzw. ADS oft auch durch Einschlafstörungen, schulische Schwierigkeiten, störendes Verhalten im Unterricht, Probleme mit der Feinmotorik (schlechtes Schriftbild) und eine geringe Frustrationstoleranz auf. Bestehende Defizite verschlimmern sich, wenn als frustrierend erlebte Situationen bewusst vermieden werden.

Ursachen

Man geht heutzutage davon aus, dass es eine genetische Disposition für ADHS gibt. Die tatsächliche Ausprägung der Symptome, das Ausmaß und der Verlauf der Krankheit werden jedoch wesentlich von Faktoren aus der Umwelt des Kindes mitbestimmt. Die sogenannte striatofrontale Dysfunktion, eine Störung der neuronalen Verarbeitung von Signalen im Gehirn, lässt sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen nachweisen. Diese Funktionsstörung ist angeboren, jedoch nicht notwendig genetisch bedingt, da sie auch im Verlauf der Schwangerschaft erworben werden kann. Ungünstige Bedingungen während Schwangerschaft und Geburt erhöhen das Risiko für das Kind, an ADHS zu erkranken. Wie stark Symptome und Verhaltensaufälligkeiten ausgebildet werden, hängt jedoch ganz wesentlich von der psychosozialen Umgebung des Kindes ab.

Heutzutage werden weitaus mehr Kinder mit ADHS diagnostiziert, als dies vor 20 Jahren der Fall war. Etwa vier bis acht Prozent der Schulkinder in Deutschland leiden darunter. Jungen sind wesentlich häufiger betroffen als Mädchen. Dies mag auch daran liegen, dass die Störung bei Mädchen häufiger ohne Hyperaktivität auftritt, das Verhalten dadurch insgesamt weniger auffällig ist und die Störung deshalb nicht erkannt wird. Obwohl die Zahl derer, die die Disposition mitbringen als konstant angesehen werden kann, schafft der Anstieg an Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeiten eine Umwelt, in der es den Betroffenen heute schwerer fällt, feste Strukturen für ihren Alltag zu entwickeln. Die Zahl der Behandlungsbedürftigen stieg dadurch in den letzten Jahren an.

Therapie

Da als gesichert gelten kann, dass verschiedene psychosoziale Faktoren bei der Entwicklung von ADHS eine wesentliche Rolle spielen, sollte sich auch die Therapie aus mehreren Modulen zusammen setzen. Ziele der Therapie sind eine Verbesserung der Selbstwahrnehmung, die Stärkung des Selbstwertgefühls, eine Verminderung der Impulsivität im Handeln und das Training der Aufmerksamkeit. Auch Eltern, Geschwister und Lehrer müssen in die Therapie einbezogen werden. Begleitende Störungen wie Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten werden zusätzlich behandelt. Das Kind wird psychomotorisch gefördert und es wird an einer Veränderung seiner Verhaltensmustern gearbeitet.

Viele Kinder erhalten auch Medikamente. Während diese sicherlich für einen Teil der Kinder (und ihre Eltern) als Segen angesehen werden können, ist das Ausmaß der Verordnungen inzwischen recht umstritten. Kritiker gehen davon aus, dass viele Kinder auf diese Medikamente verzichten könnten, und weisen angesichts der enormen Umsätze der Pharmaindustrie auf wirtschaftliche Interessen hin.

ADHS/Erwachsene

ADHS bei Erwachsenen

Liebe Interessenten, Sie befinden sich hier im Archivbereich der Homepage. Leider biete ich keine Diagnosik im Hinblick auf ADS oder ADHS an. Diese Seite hier dient lediglich zur allgemeinen Information. 

ADHS bei Erwachsenen gab es bis vor einigen Jahren offiziell noch nicht. Denn ADHS ist eine Diagnose, die lange Zeit bei Kindern und Jugendlichen gestellt wurde und als „Zappelphilipp-Syndrom“ bekannt wurde. Die Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung ist bei Erwachsenen erst ein anerkanntes Beschwerdebild seit die erste Generation der so diagnostizierten Mädchen und Jungen den Kinderschuhen entwachsen ist und nun Rat und Hilfe bei Ärzten und Psychologen suchen. Es wir geschätzt, dass 2,5 bis 4% der erwachsenen Bevölkerung am Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom leidet. Ihr Beschwerdebild ist komplex und diffus; es versteckt sich gerne hinter Süchten, Depressionen oder gar der Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Viele Betroffene haben mittlerweile Wege gefunden, um mit ihrem Getriebensein zu leben. Dennoch erschwert ADHS Privates und Karriere.

Vom ADHS ist das ADS abzugrenzen. Dabei handelt es sich um eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung, die nicht durch Hyperaktivität, d.h. besondere Unruhe, gekennzeichnet ist, sondern durch eine Art Verträumtheit. Ist jemand mit ADHS unruhig und stets auf der Suche nach neuen Ablenkungen, versinken Personen mit ADS in Tagträumereien und können stundenlang in der Betrachtung von Alltagsgegenständen aufgehen.

Ursachen für das ADHS

Wichtigen Einfluss auf ADHS bei Erwachsenen hat der Botenstoff Dopamin. Kommt zu wenig oder zu viel in bestimmten Hirnarealen an, kann ADHS auftreten. Das betrifft die Regionen, in denen kniffliges, intensives Denken und Handeln stattfindet. Diese komplexen Aktionen umfassen: das Wahrnehmen und Erkennen, das Urteils- und Vorstellungsvermögen, den Willen, die Kreativität sowie das Erinnern, Schlussfolgern und das Glauben. Sie machen den Menschen flexibel im Tun, befähigen zur Planung und Kontrolle des Verhaltens. Durch diese Exekutivfunktionen weiß ein Gesunder, ob ihn Reize überfluten und wann er am besten abschaltet. Wird beispielsweise der Stirnbereich des Gehirns mit Dopamin unterversorgt, folgen ungehemmte Temperamentsausbrüche. Ohne zu überlegen reagiert man aus dem Bauch heraus. Ein Übermaß des Botenstoffes im Hirninneren verursacht eine gesteigerte Motorik.

Welche Ursachen dem gestörten Dopaminstoffwechsel zugrunde liegt, ist indes nicht klar. Eine genetische Komponente ist nachgewiesen, aber eben nur eine Komponente. Zur Zeit ist nicht geklärt, welche Faktoren ADHS auslösen oder begünstigen.

Da zur Zeit der Trend besteht, das Problem medikamentös in den Griff zu bekommen, sind in den letzten Jahren wenig neue Erkenntnisse erforscht worden. Lediglich hat man einen Zusammenhang von ausgedehntem Fernsehkonsum im Alter von 4-7 Jahren und dem späteren Auftreten von ADHS gefunden. Viele Kinder erhielten und erhalten das Medikament Ritalin, um die Symptome einzudämmen.

Symptome

Betroffene bewältigen ein Leben voller Emotionen. Ihre recht ungefilterte Wahrnehmung führt zu Sinneseindrücken besonderer Stärke. Man riecht, schmeckt und hört mehr als sein Gegenüber. Ausgerüstet mit feinen Antennen empfangen Betroffene Störungen im zwischenmenschlichen Bereich. Man hört es buchstäblich zwischen den Menschen knistern. Waren ADHSler als Kinder ungestüm, quirlig und niemals müde, klagen sie heute über Kopflosigkeit, Schlafstörungen und schwache Konzentration. Ständige innere Unruhe lässt die Stimmung schwanken. Oft zeigen zwischenmenschliche Beziehungen fatale Auswirkungen. Man ist nicht geerdet, schlägt keine Wurzeln und immer auf der Suche. Es fehlt ein strukturierter Alltag.

Daher kommen ADHSler häufig zu spät, verpassen Abgabetermine und verzetteln sich. Ob Gespräch oder Schriftstück; man schweift ab, macht schusselige Fehler und vergisst Wesentliches. „Nur ein Genie beherrscht das Chaos“, sagte Albert Einstein. Er wusste genau, wovon er sprach. Haben ADHSler entsprechende Möglichkeiten gefunden, ihre Dynamik und Kreativität auszuleben, beeindrucken sie ihre Mitmenschen. Mit Charme, Phantasie und voller Energie können sie Personen mit ihrer offenen Art für sich einnehmen.

Therapie bei ADHS

In dieser Praxis biete ich keine ADHS- oder ADS-spezifische Psychotherapie an.  

Generell kann man sagen: Nach momentanen Erkenntnissen lässt sich ADHS nicht heilen, aber man kann lernen mit den Beschwerden besser umzugehen. Befinden sich Betroffene aufgrund massiver Kontroversen in Zwangslagen, hilft eine psychologische Unterstützung zur Problembewältigung. Im Falle einer potenzierten Impulsivität leistet das so genannte Selbstinstruktionstraining gute Dienste. Dabei werden Auftreten und Benehmen in festere Bahnen gelenkt, was das Zusammenleben mit Familie, Freunden und Kollegen verändert und erleichtert. Entspannungstechniken wie die Muskelrelaxation nach Jacobsen entschärfen manche innere Unrast. Auch bei Erwachsenen verordnen Ärzte Psychopharmaka, z.B. Ritalin®.